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Leitartikel Januar 2012

Unsere Zukunft:

Frank Weber

1. Vorsitzender

unerreichbar, unbekannt, chancenreich?


Die Zukunft hat viele Namen:
Für Schwache ist sie das Unerreichbare,
für die Furchtsamen das Unbekannte,
für die Mutigen die Chance
.

Victor Hugo (1802–1885)



Das Zitat des französischen Schriftstellers Victor Hugo aus dem 19. Jahrhundert lässt sich gut auf unser Handwerk übertragen, denn viele in unserem Handwerk stellen sich in diesem Jahr die Frage nach der beruflichen Zukunft, was kurz vor dem Ende der Übergangsfrist im Schornsteinfegerrecht natürlich auch zu erwarten war.

Wer aber sind die Schwachen in Bezug auf das Zitat? Sicher nicht die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Schornsteinfegerhandwerk, die – und das zeigt sich immer deutlicher – die Chancen eines veränderten Systems verstanden haben und sich im Rahmen von Bildungsmaßnahmen ganz persönlich für die neuen Anforderungen rüsten. Sie haben damit frühzeitig begonnen, doch leider wird das, was sie sich angeeignet haben, oft aufgrund von Unsicherheit einzelner Unternehmer weder anerkannt noch in der betrieblichen Praxis eingesetzt.

Die wirklich Schwachen im System sind diejenigen, die Chancen nicht nutzen und Möglichkeiten nicht ausprobieren wollen. Dazu zählen all jene, die nicht die Möglichkeiten der Solidargemeinschaft nutzen, da sie ihr nicht angehören und somit nicht mit der Unterstützung eines schlagkräftigen Verbandes an ihrer Seite für ihre Interessen und ihre persönliche Zukunft streiten können. Für sie wird Zukunft von Tag zu Tag unerreichbarer.

Die Furchtsamen halten sich zurück, sie haben noch die Chance, einen eigenständigen Weg einzuschlagen und eigene Potentiale zu entwickeln. Dafür erhalten sie Hilfe und Unterstützung bei den Berufsorganisationen. Natürlich müssen sie ihre Furcht ablegen, die sie von den notwendigen Entscheidungen zurückhält. Dies ist aber nur dann wirklich schwer, wenn man mit seiner Furcht alleine steht, in der Gemeinschaft kann man sie überwinden.

Bleiben noch die Mutigen: Auch sie brauchen Perspektiven und Möglichkeiten zur Entwicklung. Außerhalb der Organisationen nutzt aller Mut nichts, ist man doch abgekoppelt von den notwendigen Informationen. Ein Sprung von einer Klippe mag mutig sein, ohne die Kenntnis, welcher Untergrund den Springer beim Aufprall erwarten wird, aber lediglich dumm. Wichtig ist, dass alle, die sich auf den neuen Weg begeben, wissen, in welcher Form und mit welcher Spezialisierung sie dies auch zielführend gestalten können. Das sture Abarbeiten von Bildungsangeboten mag zwar kurzfristig zu einer Vermehrung von Punkten zum Beispiel für die Vergabe von Kehrbezirken führen. Jedoch ist nur die Qualifikation wirklich sinnvoll, die auch tatsächlich in den jeweiligen Markt passt und vom Qualifizierten eingesetzt wird. Es mag noch vergleichsweise einfach sein, einen Betrieb zu eröffnen, ihn dann aber erfolgreich im Markt zu führen, ist wesentlich schwieriger.

Hier kommt der ZDS mit seinen Säulen hilfreich ins Spiel. Starke und gesunde Betriebsstrukturen, in denen Unternehmer und Beschäftigte Chancen und Perspektiven haben, sind für uns von großem Interesse. Aber sie funktionieren nur bei ausgeglichener Zufriedenheit. Sind Betriebsinhaber und Personal zufrieden, wirkt sich dies unweigerlich auf die Kunden und die Auftragslage aus. Gerät dieses Gleichgewicht in Schieflage, bezahlen am Ende alle die Zeche.

In diesem Jahr wird der ZDS die Segel setzen für eine gute Zukunft unseres Handwerks. Unter diesem Motto und in diesem Geist werden wir den diesjährigen Zentralverbandstag anpacken. Ich bin sicher, dass wir als Gemeinschaft für jeden die richtigen Angebote bereithalten. Doch können wir die Kolleginnen und Kollegen nur auf das Fahrrad setzen, das Treten in die Pedale müssen sie selbst übernehmen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen ein erfolgreiches Jahr 2012!

Euer
Frank Weber
1. Vorsitzender