36. Zentralverbandstag 2012 in Rostock

ZDS setzt Segel an der Ostsee

Rostock – Nachdem vor zwei Jahren die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel Gastgeberin des höchsten Gremiums des ZDS war, waren nun erneut alle Funktionsträger innerhalb unseres Verbandes anlässlich des 36. Zentralverbandstages des ZDS in den Norden Deutschlands gekommen. Unter dem äußerst trefflichen Motto „Segel setzen!“ versammelten sich nicht nur die nach Satzung vorgesehenen 99 Delegierten in der Hansestadt Rostock, auch zahlreiche weitere Gäste und Teilnehmer hatten teils sehr lange Anfahrtswege auf sich genommen, um den ZDS bei seiner Ausrichtung zu begleiten.

Mit Blick auf das kommende Jahr ist man als Verband, aber auch als gesamtes Schornsteinfeger-Handwerk gerüstet, um den Start in eine neue Zeitrechnung unseres Gewerks positiv zu gestalten. Mit dem Rückenwind aus dem hohen Norden wollte man unter dem Motto „Segel setzen!“ aber auch unterstreichen, dass wir in Sachen Tarif Fahrt aufnehmen werden! Dem ZDS liegt die zukünftige soziale, aber auch wirtschaftlich gute Ausgestaltung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Schornsteinfeger-Handwerk hierbei besonders am Herzen.

Der Zentralverbandstag 2012 sollte anders als die traditionellen Gewerkschaftstage werden, das hatte man sich vorgenommen, und im Rückblick kann man sagen, das ist voll und ganz gelungen. Viele Kolleginnen und Kollegen, die schon bei anderen Verbandstagen dabei waren, lobten den Gesamtablauf über alle Maßen und so kann die Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern mit Stolz auf ihren Zentralverbandstag zurückblicken.

Harmonische Delegiertentagung

Doch am Anfang stand am Vormittag des 29. Juni 2012 zunächst die Delegiertentagung und somit die satzungsgemäße Entgegennahme der Berichte des Zentralvorstandes, Beschlüsse und Wahlen an. So nüchtern, wie sich dieser Satz liest, war der Ablauf der Delegiertentagung jedoch nicht, war sie doch geprägt von emotionalen Momenten, richtungweisenden Entscheidungen und zahlreichen Beschlüssen. Aber der Reihe nach.

Pünktlich um 10 Uhr eröffnete der 1. Vorsitzende des ZDS, Frank Weber, die Delegiertentagung und begrüßte alle Teilnehmer und Delegierten. In seinem anschließenden Geschäftsbericht, den er äußerst engagiert aber sachlich vortrug, ging er auf die außerordentlichen Leistungen der letzten beiden Jahre nur am Rande ein. Vielmehr schärfte er den Blick für die Zukunft, in deren Zentrum die anstehende Tarifauseinandersetzung stehen wird.

Unter lang anhaltendem Applaus wurde erstmals der neue Tariffilm „Jetzt schlägt´s 13“ vorgestellt. Viele erkannten sich insbesondere in dem Ausdruck des Schornsteinfegers wieder, der sich bildlich sogar eine Kriegsbemalung zulegte und unter dem Titel „We are angry“ keinen Zweifel daran ließ, dass das Maß nun voll ist! Lohnerhöhung! „Und die Zeit ist reif dafür, jetzt!“, rief Weber seinen Zuhörern zu. Der 1. Vorsitzende gab unmissverständlich die Marschroute zur Tarifrunde vor und man merkte, dass er damit den ZDSlern aus dem Herzen sprach. Weber ist schon zu lange dabei, um nicht das Gespür für die Zeit zu haben und wann er diese mit beeinflussen muss. Motivierende Worte fand er sodann für das Aufstellen und Vorbereitungen in den nächsten Monaten und er zeigte sich zuversichtlich, dass wir gemeinsam erfolgreich sein werden.

In seinem Bericht ehrte der 1. Vorsitzende Kollege Andreas Kramer für seine langjährige Mitarbeit im erweiterten Zentralvorstand. „Andreas trägt seit vielen Jahren die Fahne des ZDS in verschiedensten Positionen und es ist an der Zeit, danke zu sagen“, so Weber.

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Es folgte der Bericht der Abteilung Finanzen/Verwaltung von Stefan Bolln, der sich bekanntlich nicht mehr zur Wiederwahl stellte. Bolln zeigte auf, dass der ZDS auf soliden und gesunden Füßen steht und er daher beruhigt das Zepter übergeben könne. Wie bereits bei der Vorsitzendentagung ging Bolln auf die Entwicklung des ZDS und seiner Säulen ein. Der Obmann der Revisionskommission bescheinigte der Abteilung Finanzen/Verwaltung, und zu dieser gehören intern natürlich auch die Mitarbeiterinnen des Innovationszentrums Schornsteinfegerhandwerk, gute Arbeit abgeleistet zu haben. Seinem Antrag auf Entlastung des Vorstandes entsprachen die Delegierten einstimmig.

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DSBF wird zur Handwerksschule

Stephan Lander zeigte in seinem Geschäftsbericht auf, dass der Bildungssektor und insbesondere das Deutsche Schornsteinfeger Bildungs- und Forschungsinstitut (DSBF) vor dem nächsten Schritt stehe. Will man sich konsequent weiter entwickeln, so muss man von Zeit zu Zeit auch Altbewährtes hinterfragen und ggf. ändern. Das wollte man mit der Umbenennung des DSBF in DIE HANDWERKSSCHULE auch tun. Lander stellte während seines Vortrags dann erstmalig den neuen Image- und Werbefilm der Handwerksschule vor, welcher sehr positiv ankam. Mit der Umbenennung möchte man künftig nicht nur die Hauptzielgruppe der Schornsteinfeger ansprechen, nein auch eine breitere Aufstellung und Verknüpfung mit anderen Handwerksgruppen ermöglicht der neue Name. In erster Linie sollte sich aber der neue Name der Handwerksschule leicht, einprägsam und mit hohem Wiedererkennungswert in den Köpfen festsetzen, getreu dem neuen Motto „Wir machen Handwerk“.

Lander bedankte sich im Ende seines Berichtes bei der Stütze der Abteilung Technik/Bildung, dem TBA, und insbesondere – mit einem kleinen Präsent – bei Jörg Kibellus, der seit dem letzten Verbandstag aus dem TBA ausgeschieden ist.

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Daniel Fürst in Zentralvorstand gewählt

Bei den anschließend anstehenden Nachwahlen wurde Daniel Fürst aus Baden-Württemberg in geheimer Wahl mit 80,0 % der abgegebenen Stimmen zum neuen Vorstand Finanzen/Verwaltung gewählt. Zum Obmann der Revisionskommission wurden Björn Fritz aus Hessen und als Beisitzer Tim Schröder aus Schleswig-Holstein in offener Wahl einstimmig gewählt.

14 Anträge wurden behandelt

Danach behandelte das Plenum 4 Satzungsanträge, von denen 3 angenommen und einer zurückgezogen wurde. Beschlossen wurde, dass die Mitgliedschaft ab sofort auch offiziell über einen Onlineantrag einer Homepage des ZDS möglich ist. Die beiden anderen Anträge beschäftigten sich mit der Fördermitgliedschaft im ZDS. Hierzu wurden gleich mehrere Punkte in der Satzung ergänzt bzw. geändert, um künftig offener und transparenter mit dieser Art der Mitgliedschaft für alle umzugehen. Leistungen und Pflichten, aber auch Grenzen sind somit ab sofort eindeutig aus der Satzung herauszulesen und für alle ZDS-Mitglieder bindend.

Zehn weitere Sachanträge folgten den genannten Satzungsänderungen. So wurde z.B. die „ZDS-Jugend“ gegründet, die aufbauend auf der Servicemitgliedschaft Auszubildende noch besser an den ZDS ankoppeln soll. Auch einen genauen Leistungskatalog des ZDS für die Auszubildenden wurde verabschiedet.

Des Weiteren wurden genaue Bestimmungen zu Wahlen im Arbeitnehmerservice, eine Mitgliederwerbekampagne, eine Forderung zur nächsten Tarifrunde bezüglich der Weiterbildungstage und Regelungen zur Besetzung der Verwaltungsratsmitglieder der PKS von den Delegierten beschlossen. Um das Hauptziel „Tariferhöhung“ in den nächsten Monaten zu koordinieren und vorzubereiten, wurde ein separater Arbeitskreis gegründet, der mit Vertretern aus jeder Region zu besetzen ist.

Abschließend einigte man sich darauf, den nächsten Zentralverbandstag 2014 in Frankfurt am Main durchzuführen.

Alles in allem war die Delegiertenversammlung äußerst harmonisch, sodass man sich der anschließenden Festveranstaltung mit großer Vorfreude widmen konnte.

Festveranstaltung am Warnowufer

Denkt man an öffentliche Festveranstaltungen oder akademische Feierstunden, so haben die meisten ein doch sehr traditionelles Bild im Kopf. Stuhlreihen, auf denen Gäste in feierlicher Kleidung in Richtung Bühne schauen, meist klassische Musikeinlagen, Festredner, die von ihrem Skript ihre mitgebrachte Rede zum Besten geben, im schlimmsten Falle noch irgendwelche Wimpel im Bühnenhintergrund, die von langer Tradition zeugen …

Ganz anders die diesjährige Festveranstaltung des ZDS-Zentralverbandstages: Der ZDS hatte in eine ortsbeliebte Tapas-Bar am Warnowufer eingeladen, wo sich die Gäste in lockerer, ungezwungener Feierstimmung mit Essen und Getränken rund um eine kleine überdachte Bühne scharten. Fast schon nebenbei lief dann das Programm mit einigen Redebeiträgen ab, in denen motivierende Redner des ZDS den Nagel auf den Kopf trafen.

So begrüßte gleich zu Beginn der gastgebende Landesgruppenvorsitzende, Jörg Kibellus, die Anwesenden und hob hervor, dass er äußerst stolz sei, diesen tollen Verbandstag in seiner Heimatstadt eröffnen zu dürfen.

Anschließend ging Frank Weber mit Freude, aber auch zielstrebig auf die nächsten Ziele des Verbandes ein, nicht ohne die bisherigen Errungenschaften ins rechte Licht zu rücken. Weber bedankte sich insbesondere bei den ausgeschiedenen Zentralvorstandsmitgliedern Stefan Bolln und Klaus Tapken, die beide viele Jahre an vorderster Front die Geschicke des ZDS durch eine bewegte Zeit gelenkt haben und nun eine neue Herausforderung gesucht und gefunden haben.

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Stefan Bolln drehte in seiner Dankesrede bei seiner Verabschiedung jedoch den Spieß um, und brachte damit Weber ins Schleudern: 15 Jahre 1. Vorsitzender des ZDS mit Frank Weber – ein besonderes Jubiläum! In der langen Geschichte des ZDS ist Weber schon seit vielen Jahren der am längsten amtierende Vorsitzende und hat in diesem Punkt Bernd Mörk (1975-1984) schon lange hinter sich gelassen.

In Webers Zeit fällt nicht nur die aktive Begleitung der derzeitigen Reform des Schornsteinfegerwesens, sondern insbesondere der Ausbau zahlreicher Säulen des ZDS, ohne die man sich den jung gebliebenen Verband heute kaum noch vorstellen kann: DS-Verlag (heute Schornsteinfegerverlag), DSBF (heute Die Handwerkschule), die SIB-Service GmbH, den Arbeitnehmerservice, die Einrichtung einer Pensionskasse, um nur einige Pfeiler zu nennen, die der gebürtige Südhesse in all Jahren eingeschlagen hat. Darauf kann nicht nur er, sondern natürlich auch der ZDS stolz sein, so Stefan Bolln. Dass Weber noch lange nicht amtsmüde ist, zeigt sein Engagement trotz der Doppelbelastung, die er als Abgeordneter des thüringischen Landtages zu stemmen hat. Die anwesenden Gäste quittierten Bollns Ausflug in die letzten 15 Jahre mit lang anhaltendem Applaus.

Klaus Tapken bedankte sich ebenfalls noch einmal bei allen Kolleginnen und Kollegen für die tollen Jahre und hofft lachend natürlich als jetziger Bezirksschornsteinfegermeister auf eine nicht allzu große Tariferhöhung im nächsten Jahr.

Neben Tapken verabschiedete sich der 1.Voristzende auch von Gabriele Kirchbaum, die ebenso viele Jahre aktiv für den Schornsteinfegerverlag GmbH (vormals DS-Verlag GmbH) auf zahlreichen ZDS-Veranstaltungen das Gesicht des Verlages war. Gabi schied Ende des Jahres 2010 aus privaten Gründen aus dem Verlag aus. In ihrer unnachahmlichen rheinischen Art bedankte sie sich in einem kurzen Statement für die Jahre im ZDS, in der sie sehr viele Freunde kennen lernen durfte.

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Nach einer kurzen, sehr beeindruckenden Gesangseinlage von Eileen Puttkammer aus Sömmerda trat der Festredner des Zentralverbandstages, der Thüringische Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie, Matthias Machnig (SPD), vor die Zuhörer. Machnig ist seit dem letzten Jahr ZDS-Fördermitglied und ließ – sozusagen als Kollege – keinen Zweifel daran, dass er sich voll und ganz dazugehörig und aufgenommen fühlt. Der Minister sprach von der wirtschaftlichen Notwendigkeit, dass Arbeitnehmer in der Republik endlich Anteil an der guten betrieblichen Situation erhalten müssen und drückte hierzu für die anstehende Tarifrunde 2013 die Daumen. „Jetzt müsst Ihr zeigen, dass Ihr an der Reihe seid“, rief der Sozialdemokrat den ZDSlern zu. Und er traf mit seiner Rede den Nerv der Gewerkschaftler. „Jetzt schlägt´s 13!“, das Tarifmotto des ZDS, bezog er in seiner Rede aber auch auf die Bundespolitik. Mit vielen Beispielen gespickt, zeigte Machnig die Unzulänglichkeiten der amtierenden Bundesregierung auf, und hofft gemeinsam diese 2013 ablösen zu können.

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Gemeinsam mit seiner Ehefrau verweilte der Minister, trotz zwischenzeitlichen Regens, den ganzen Abend unter den Schornsteinfegern.

Als letzter Redner trat der Kollege mit der sicherlich weitesten Anreise ans Mikrofon. Die Rede ist von John Pilger, der eigens aus New York zum Zentralverbandstag des ZDS nach Rostock gereist war und die besten Wünsche der NCSG und der Bildungseinrichtung CSIA, deren Präsident Pilger ist, überbrachte.

Bevor jedoch richtig gefeiert werden konnte, wurden 5 Segelboote der 5 ZDS-Regionalverbände auf See geschickt. Auf ihren weißen Segeln konnten schon am Nachmittag alle Delegierten und Teilnehmer des Verbandstages ihre Wünsche, Hoffnungen aber auch Ängste schriftlich festhalten und somit aussetzen. Es war ein sehr bewegender Moment, als diese Boote zu den Klängen von „I am sailing“ an den Verbandstagsgästen vorbeifuhren.

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Somit waren die „Segel gesetzt“ und ein hervorragender Zentralverbandstag neigte sich dem Ende entgegen, auch wenn manch einer sicherlich noch bis in die Nacht hinein feierte. Man war sich einig, Rostock hat eine sehr hohe Messlatte für künftige Verbandstage gelegt. Auf jeden Fall freuen wir uns auf ein Wiedersehen in zwei Jahren, wenn die Stadt Frankfurt am Main Gastgeberin des 37. Zentralverbandstages sein wird.

(akra)

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