April 2017: Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Tim Ratajczak

der 1. Mai 2017 nähert sich und somit die 127. Auflage des Tages der Arbeit. Jahr für Jahr solidarisieren sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und treten für die Rechte der Beschäftigten ein, indem sie sich an den Demonstrationszügen mit den anschließenden Kundgebungen in den einzelnen Städten beteiligen. Die Veranstaltungen, welche durch den DGB organisiert sind, zählten in den letzten Jahren immer etwas über 400.000 Teilnehmer.

Diese Zahl ist durchaus beachtlich, aber auch sinkend. Woran liegt das und sollten wir einem Tag, der für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist, nicht mehr Beachtung schenken?

Wagen wir mal einen Blick zurück. Der 1. Mai war zu seiner jüngsten Zeit ein Tag, an dem die Gewerkschaften zu Streiks aufgerufen haben, um ihren Forderungen mehr Druck zu verleihen. So gelang es anfangs in kleinen Bereichen, zum Teil einem 11-bis-13-Stunden-Tag auf einen 8-bis-9-Stunden-Tag zu reduzieren. Wer glaubt, dass dies einfach gewesen sei, der irrt sich sehr. Ende des 19. Jahrhunderts war die Industrie maßgeblich vom Kapitalismus geprägt und kannte Begriffe wie soziale Absicherung nicht. Oder wollte sie nicht kennen.

Wer glaubt, dass sich soziale Errungenschaften wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Waschgeld, zusätzliche Rentenversicherung, Kleidergeld oder auch der tarifliche Stundenlohn hält, ohne dass wir uns als Gewerkschaft dafür einsetzen, der irrt. Aber was muss eigentlich geschehen, dass der Status quo gehalten und sogar noch verbessert werden kann?

Es reicht in unserer Gesellschaft nicht aus, sich nur von zu Hause aus zu informieren, sich vielleicht an irgendwelchen Online-Petitionen oder in sozialen Netzwerken zu beteiligen. Wir müssen unseren Forderungen und Meinungen auch ein Gesicht geben und uns nicht hinter irgendwelchen – vielleicht auch zum Teil gefälschten – Profilen verstecken. Am Ende können große Themen, große Ziele nur in einer großen Gemeinschaft erreicht werden, die solidarisiert und für ihre Begehren eintritt.

Wenn man bedenkt, dass für diese vorhin erwähnten Absicherungen Menschen in Haft genommen wurden oder sogar ums Leben gekommen sind, treten wir das Andenken unserer Vorstreiter mit Füßen, wenn wir uns nicht an diesen Veranstaltungen beteiligen und für die Errungenschaften der Vergangenheit dankbar sind und uns für neue Ziele einsetzen. Stillstand ist der Tod.

Ich jedenfalls finde, dass wir dem 1. Mai viel mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Es ist unser Tag, ein Tag nur für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ich kenne keinen Tag der Unternehmer oder einen Tag der Selbstständigen. Lasst uns dieses Novum gebührend feiern und am 1. Mai auf die Straße gehen.

Mit solidarischen Grüßen

Euer Tim

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