Dezember 2015: Bist du O.K., schwarzes Handwerk?

David Villmann

Auch in diesem Jahr standen wir als Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger e.V. – Gewerkschaftlicher Fachverband (ZDS), aber auch als Schornsteinfegerhandwerk selbst wieder vor großen Herausforderungen. Zunächst zeichnete sich das Jahr durch einige personelle Veränderungen, insbesondere den Wechsel des 1. Vorsitzenden, aus. Dieser Herausforderung haben wir uns gemeinsam gestellt und konnten so weiterhin die Weichen für ein zukunftssicheres, innovatives und vor allem soziales Schornsteinfegerhandwerk stellen. Dies war auch notwendig, denn schon im Sommer konnten wir uns zum Thema Schornsteinfegerhandwerksgesetz eine „Abmahnung“ im Bund-Länder-Ausschuss für die geleistete hoheitliche Arbeit der Kolleginnen und Kollegen bundesweit einholen. Die Sitzung sagte uns nur eins: Wir müssen die Probleme im Handwerk ansprechen, diskutieren und wieder mal beweisen, dass wir uns zum Guten und Richtigen verändern können. In vielen Artikeln und Reden lese und höre ich immer wieder, wie sich unser Handwerk in den letzten Jahren – vor allem nach dem Fall des Monopols – weiterentwickelt hat. Rückblickend betrachtet, möchte ich jedem von euch die Frage stellen, wo wir uns denn tatsächlich weiterentwickelt haben? Bis heute schaffen wir es nicht, flächendeckend die uns aufgetragenen hoheitlichen Aufgaben vollumfänglich auszuführen und uns dabei ein Stück mehr in ein zukunftsreicheres Schornsteinfegerhandwerk zu verwandeln. Wir konnten bisher lediglich beweisen, dass der Fall des Monopols für das Gesamthandwerk in einem „zum Teil“ freien Markt mehr Vor- als Nachteile mit sich bringt. Ich denke, dies ist auch allen Kolleginnen und Kollegen, egal ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, bewusst. Doch leider sprechen nur wenige über diese Probleme. Genau hier müssen wir ansetzen und endlich als gemeinsame Zunft überall über unsere Schwierigkeiten und Hürden diskutieren, anstatt es totzuschweigen und keine Lösungen zu erarbeiten. Genau so werden wir es schaffen, ein nachhaltig zukunftssicheres Handwerk aufzustellen, welches Aufgaben löst und ebenfalls der gewaltigen Komplexität „Schornsteinfegerhandwerk im klimaneutralen Deutschland 2050“ gewachsen ist. Zuletzt können wir uns dann alle die Frage stellen: Bist du O.K., schwarzes Handwerk? Erst wenn wir diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten können, haben wir unser gemeinsames Ziel erreicht.
Die drei einfachen Worte mit dem Fragezeichen „Bist du O.K.?“ haben aber zurzeit noch eine andere Bedeutung. Wir befinden uns momentan inmitten einer Tarifauseinandersetzung zwischen den Sozialpartnern, wo wir als Gewerkschaft bewusst unsere Mitglieder gefragt haben, ob sie „O.K.“ sind. Die Antwort erhielt der Zentralinnungsverband – Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) – prompt als sogenanntes Forderungspaket mit einer fristgerechten Kündigung des Bundestarifvertrages (BTV). Selbst nach zwei Verhandlungsterminen konnten wir noch keine Einigung zum Tarifvertrag erzielen – trotz unserer direkt zum Verhandlungsbeginn festgelegten Gemeinsamkeiten: einen Anschlusstarifvertrag zum 01.01.2016 zu erzielen, Fachkräftesicherung zu betreiben und somit einen Tarifvertrag für ein zukunftsfähiges Schornsteinfegerhandwerk aufzustellen, um nur einige wenige zu nennen. Besonders die Einigkeit über den zuletzt genannten Punkt erfreute uns sehr, denn die Aufgabe, eine Einigung für einen Bundestarifvertrag zu erzielen, bedeutet im Zuge dessen mehr als „nur“ einen Vertrag über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum abzuschließen, sondern aktive Handwerkspolitik für die nächsten Jahrzehnte zu betreiben. Deshalb wunderte es uns, mit welchen fast schon lächerlichen Angeboten die Arbeitgebervertreter an unsere Tarifkommission herantraten. Es schien so, als hätte unser Sozialpartner immer noch nicht begriffen, wie wichtig ein sozialer und gerechter Tarifvertrag für unsere gemeinsame Zukunft ist. Wir erhoffen uns für die dritte Verhandlung am 14. Dezember mehr Weisheit und Weitsichtigkeit, denn solch ein niedriges Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Kolleginnen und Kollegen werden wir nicht dulden und unterstützen, auch wenn dies einen Arbeitskampf bedeutet. Es ist an der Zeit, endlich zu handeln und nicht nur den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen Mehrwert zu bieten, sondern dem gesamten Schornsteinfegerhandwerk ein Angebot zu unterbreiten, welches sich lohnt zu unterstützen!

Mit freundlichen Grüßen

David Villmann

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