Dezember 2016: Jahresrückblick 2016

Daniel Fürst

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir alle freuen uns auf eine ruhige, besinnliche Zeit mit unseren Familien und Freunden. Die Zeit um Weihnachten ist für viele die beste Zeit, um in aller Ruhe über das Vergangene nachzudenken und Pläne für die Zukunft zu schmieden. Doch was hat uns innerhalb des ZDS in den vergangenen zwölf Monaten bewegt?

Das Jahr begann mit einem neuen Tarifvertrag. Seit dem 01.01.2016 gilt dieser für alle organisierten Arbeitnehmer/innen im Schornsteinfegerhandwerk, welche in einem Innungsbetrieb beschäftigt sind. Ganz so selbstverständlich, wie einige wohl glauben, ist eine Lohnerhöhung, einhergehend mit einem neu geschlossenen Tarifvertrag, allerdings nicht. Im letzten Jahr um diese Zeit wussten wir nicht, ob wir mit unserem Sozialpartner überhaupt einen Tarifvertrag schließen können oder ob wir ab dem neuen Jahr 2016 uns in einem tariflosen Zustand befinden und eventuell für unseren Tarifvertrag streiken müssen. Zum Glück konnten wir uns mit den Arbeitgebern einigen und noch vor dem Jahreswechsel einen Tarifvertrag unterzeichnen. Hierzu gilt mein Dank all denjenigen Kolleginnen und Kollegen, die bereit waren, Flagge zu zeigen, und sich den Tarifdemos angeschlossen haben. Ihr habt einen großen Teil dazu beigetragen, dass wir eben nicht streiken mussten und dieses Jahr ruhig angehen konnten.

Das Jahr 2016 war ebenso geprägt von der Energiewende. In der Politik wurde viel über Klimaschutzziele und internationale Abkommen berichtet. Die Ministerien, allen voran das Bundeswirtschaftsministerium, haben in diesem Jahr eine Vielzahl an Programmen auf den Weg gebracht, welche die Bundesregierung bei der Umsetzung der Klimaschutzziele ein großes Stück vorwärtsbringen sollen. Auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz Bau und Reaktorsicherheit hat in den vergangenen Monaten mit einem groß angelegten Beteiligungsprozess von Wirtschaft, Verbänden und Bürgerinnen und Bürgern einen Klimaschutzplan auf den Weg gebracht, der viele Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen soll. Als Schornsteinfeger und Energieexperten sind wir in vielen Bereichen von den Programmen der Bundesregierung betroffen. Als Interessenvertretung der Arbeitnehmer im Schornsteinfegerhandwerk ist es unsere Aufgabe, uns mit der Thematik der Energiewende zu beschäftigen. Würden wir die Klimaschutzziele heute bereits eins zu eins umsetzen, so würde in den Betrieben nach jetzigem Stand ein Großteil der Arbeit einfach wegfallen. Als Arbeitgeber von morgen und Arbeitnehmervertretung von übermorgen haben wir deshalb ein natürliches Interesse am Fortbestand unseres Berufsbildes. Wir wollen dabei nicht unsere Tradition gegen Innovation eintauschen. Dennoch sind wir bestrebt, einen Wandel im Schornsteinfegerhandwerk zu unterstützen, da wir der Meinung sind, dass eine Weiterentwicklung unseres traditionsbewussten Handwerks notwendig ist, um auch in Zukunft nicht nur wie heute für die Betriebs- und Brandsicherheit in Gebäuden zu sorgen, sondern darüber hinaus als Energieexperten im Gebäude wahrgenommen zu werden. Weiterhin wollen wir als Experten in allen Energie- und Brandschutzfragen Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger bleiben. Wir haben uns in diesem Jahr gegenüber der Politik stark dafür eigesetzt, dass unsere Perspektive für die Zukunft weiterhin Bestand haben wird. Als Schornsteinfeger wollen wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem wir z.B. unser Fachwissen für die Erstellung von Sanierungsfahrplänen einsetzen. Wir hoffen dabei, dass das Ministerium künftig auch handwerklichen Gebäudeenergieberatern Zugangsmöglichkeiten zu den bereitgestellten Fördergeldern schaffen wird.

Um unsere Positionen in regelmäßigen Abständen abzustimmen, haben wir in diesem Jahr zum ersten Mal einen Arbeitskreis Zukunft ins Leben gerufen. Hier werden neben den Themen, welche uns in Zukunft beschäftigen werden, auch derzeit aktuelle Themen diskutiert. Denn nur wer in der Gegenwart gut aufgestellt ist, kann Weichen für die Zukunft stellen. So diskutierten wir über den jetzigen Stand der Ausbildungsqualität. Damit einhergehend fiel immer wieder auf, dass wie dabei nach oben noch ganz schön Luft haben. Auch was unser Image gegenüber der Öffentlichkeit anbelangt, glauben wir, dass wir unseren Beruf noch wesentlich attraktiver gestalten können – in der Hoffnung, dass sich mehr motivierte, junge Leute für unseren Beruf interessieren und diesen schlussendlich auch erlernen wollen. Die Qualität unseres Nachwuchses wird mittelfristig darüber entscheiden, wie unser Berufsbild aussehen wird. Aus diesem Grund müssen wir jetzt bereits versuchen die Qualität unserer Ausbildung noch besser zu machen.

Auch die seit mehreren Monaten andauernde Novellierung des Schornsteinfegerhandwerksgesetzes hat uns in diesem Jahr intensiv beschäftigt. Nachdem wir die absurde Idee mancher Arbeitgebervertreter, auch angestellte Schornsteinfegermeister als Vertreter für einen bevollmächtigten Schornsteinfeger einsetzen zu können, erfolgreich verhindern konnten, befinden wir uns bei dem Novellierungsprozess inzwischen auf der Zielgeraden. Auch die Vorhaben anderer Verbände, welche bislang das Ziel verfolgten, die Abgasmessung für sich zu beanspruchen, haben wir bislang gut abwehren können. Doch der Prozess ist noch nicht komplett abgeschlossen. Immer noch müssen wir gegenüber der Politik argumentieren, weshalb es sinnvoll ist, den Schornsteinfeger mit der Abgasmessung und der Abgaswegeüberprüfung an Heizungsanlagen zu beauftragen. Die gegebene Neutralität unseres Berufes ist dabei nur eines der Argumente, welches wir regelmäßig bei den Entscheidungsträgern ins Gedächtnis rufen müssen. Wir hoffen bei dem Novellierungsprozess, dass das Schornsteinfegerhandwerksgesetz noch vor der nächsten Bundestagswahl in Kraft treten wird.

Am Ende möchte ich noch einmal unseren sehr schönen Zentralverbandstag auf der Zugspitze erwähnen. Dort wurde von den Delegierten die politische Richtung des ZDS für die kommenden zwei Jahre beschlossen. Der Verbandstag war geprägt von vielen emotionalen Momenten. Sehr schön war dabei die Feststellung, dass es in der Tat nur einen ZDS gibt. Egal, ob wir uns im Norden, Süden, Osten oder im Westen der Republik befinden. Die Herzen aller ZDSler schlagen im selben Takt. Und das Motto unseres Verbandstages „Gemeinsam spitze!“, war nicht nur ein Motto, sondern wird in unserem Verband nachweislich gelebt. Das macht mich persönlich, aber auch meine Vorstandskollegen unendlich stolz auf unseren ZDS. Wenn wir weiterhin im selben Takt für unsere Rechte, unser Handwerk und unsere Tradition einstehen, so brauchen wir uns nicht vor der Zukunft zu fürchten, sondern können diese erhobenen Hauptes kaum erwarten.


Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und viele schöne Stunden mit euren Freunden und Familien.

Euer
Daniel Fürst

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