Februar 2017: Auch unsere Zukunft

Mathias Kazek

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Generationsforscher unterteilen in verschiedene Generationen, getreu dem Motto: „Sag mir, wann du geboren wurdest, und ich sage dir, wie du tickst.“ Menschen, die nach 1995 geboren wurden, werden in die Generation Z eingestuft. Auf das Internet sowie Computer, Tablets oder Smartphones ist im Alltag spürbar nicht mehr zu verzichten.

Betriebsstrukturen, wie sie heute zum Großteil bei den Schornsteinfegern vorhanden sind, werden sich in Zukunft nicht durchsetzen können. Wir verteilen Anmeldezettel, gehen traditionshalber von Haus zu Haus und versuchen unsere Arbeit zu verrichten. Ich glaube, jeder von euch kann anhand der Erreichbarkeit die Kunden in Generationen einteilen. Wir können nicht davon ausgehen, dass die Kundschaft sich an unsere alten Strukturen anpasst. Eine Terminabsprache muss heute, aber viel mehr noch in der Zukunft, bequem und planbar sein. Und unter bequem stuft heute sicher fast keiner mehr ein dreiminütiges Telefonat ein. Dabei gibt es schon aktuell so viele Möglichkeiten eben beispielsweise für die Terminplanung. Man könnte seine Homepage aufrüsten, um diese umfangreicher zu gestalten, und sie auch auf dem Smartphone übersichtlicher gestalten – mit Apps, die die Betriebe in der Entwicklung quasi nichts mehr kosten, da alles aus „Fertigbauteilen“ auf einen zugeschnitten wird. Ein Betrieb könnte sich sogar Programme schreiben lassen, um die Terminverwaltung via Onlineumfragen oder ähnlich vollziehen zu können. Es ist heutzutage kein Problem mehr, den Kunden online einen Termin aus einem für die Wohnregion vorgegebenen Zeitraum auswählen zu lassen. Somit würden wir dem neuen Anspruch gerecht werden, indem wir eine Auswahl geben, und unser praktischer Arbeitsablauf würde sich nicht einmal drastisch ändern. Ich könnte mir vorstellen, dass die Kunden sogar schneller Termine auswählen, da sie natürlich weniger Auswahl haben, wenn sie länger warten. Wer findet es nicht genial, seinen Paketboten via Handy „verfolgen“ zu können und die Ankunftszeit auf die Minute genau vorauszusehen?

Wir müssen uns aber nicht nur bei der Terminabsprache an neue Gegebenheiten anpassen und mit der Zeit gehen. Vielen wird die Digitalisierung nicht passen, auch werden viele Arbeitsplätze verloren gehen, wenn die Technik zunimmt. Aber das ist kein Prozess, den wir aufhalten können. Es gibt inzwischen Internetseiten, die uns anzeigen, wie viel unserer Arbeit durch Maschinen bzw. Technik ersetzt werden kann. Laut dieser Page der ARD kann die Arbeit eines Schornsteinfegermeisters heute schon zu 36 % ersetzt werden. Und darunter fällt nur die Technik, die es heute schon gibt, nicht berücksichtigt wurden Tätigkeiten, die heute schon entwickelbar wären oder gar schon in anderen Bereichen verwendet werden. Denn machen wir uns nichts vor: Nochmals 40 % unserer Arbeit wären sicher nochmals ersetzbar, nur ist die Technik, die z.B. Kundenberatungen und Schornsteinreinigungen durchführt, deutlich teurer als die wiederkehrende Tätigkeit eines Facharbeiters. Es muss sich auch kein Entwickler auf die Tätigkeiten eines Schornsteinfegers konzentrieren, das Know-how für diese Programme und Geräte wird aktuell schon für viele andere Bereiche entwickelt und muss im Prinzip nur leicht angepasst werden. Mechaniker in Unternehmen nutzen heute schon ein virtuelles Handbuch, um schnell und effizient Fehler in den verschiedensten Anlagen finden und beheben zu können, ohne alles auswendig können zu müssen. Warum sollte man nach diesem Prinzip nicht auch online eine Beratung zu Heizen mit Holz machen können?
Also müssen die Berufsverbände und unsere Betriebe sich möglichst schnell mit der Thematik befassen, wie wir die Technik, die uns ersetzen kann, nutzen können. Das mag jetzt alles relativ futuristisch klingen, aber schaut mal in die Automobilbranche, die sich gut eignet, da dort viele Bereiche zusammenkommen. Es gibt Roboter, die die Computertechnik herstellen, die haargenau im Nanobereich arbeiten. Gleichzeitig gibt es aber auch Maschinen, die schwere Bauteile zusammenfügen und transportieren. Und durch die Massenproduktion alles zu einem unschlagbaren Preis und in einer nicht durch Menschenhand zu unterbietenden Zeit.

Das Beispiel der Terminabsprache habe ich gewählt, um euch deutlich zu machen, wie sehr wir der Gegenwart schon in vielen Fällen hinterherhinken. Gehen wir jetzt davon aus, dass die Entwicklung in den nächsten 10 Jahren nur genauso schnell vorangeht wie seit 2007, sollte jedem bewusst werden, wie dringend wir uns anpassen müssen.

Doch so viel Technik auch kommt, die Entwicklung, Wartung und Reparatur bleibt vorerst noch das Gut von Menschen.

Mit kollegialen Grüßen

Mathias Kazek

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