April 2015: Gleiche Arbeit – gleicher Lohn. Mehrarbeit muss bezahlt werden

Tim Ratajczak

Wer unseren Bundestarifvertrag 2014–2015 aufschlägt und sich die Regelungen über die regelmäßige Arbeitszeit im Schornsteinfegerhandwerk anschaut, wird schnell auf eine große Liste mit vielen kleinen Details rund um die Zeit im Betrieb stoßen. Es ist nämlich nicht nur die Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden festgelegt, sondern auch eine genaue Vorgehensweise bei Überstunden (Mehrarbeit) für den Arbeitgeber. Diese erfolgt laut aktuellem Tarifvertrag nur mit der eigenen Zustimmung, sprich der des Arbeitnehmers, jedoch maximal 6 Stunden in der Woche und 20 Stunden im Monat. Dieser Mehraufwand soll dann durch den Arbeitgeber bis spätestens 01.09. des Kalenderjahres ausgeglichen werden, und zwar durch Freizeit oder durch eine höhere Lohnzahlung inklusive eines Mehrarbeitszuschlags. Bei dieser Vorgehensweise bleibt der Samstag bis auf betriebsbedingte Gründe und Einzelfälle arbeitsfrei. Zusätzlich gelten Pausen nicht als Arbeitszeit. Der Beginn sowie das Ende der täglichen Arbeit und die dazugehörige Pausenzeit sollen in Einzelvereinbarungen in den vielen Schornsteinfegerbetrieben selbst festgelegt werden, wobei stets die Arbeitszeit mit dem Verlassen der Betriebsstätte beginnt und mit dem Eintreffen im Betriebssitz endet. Die betriebsbedingten Tätigkeiten in den Betriebsräumen, wie zum Beispiel die Wartung und Instandhaltung des Messgerätes oder das Wechseln des Sterns auf dem Kehrbesen, ist Arbeitszeit.

Doch wirklich, liebe Kolleginnen und Kollegen, Hand aufs Herz: Wie viele von euch besitzen ein Arbeitszeitkonto, welches all diese Regelungen vereint und somit eure Rechte laut Bundestarifvertrag im Betrieb aufzeigen und somit durchsetzen kann? Wenn wir im direkten Dialog mit euch stehen, stellen wir sehr oft fest, dass es in der Praxis so gut wie keine Arbeitszeitkonten gibt. Das führt im neuen System des Handwerks der Kaminfeger zu immer größeren Problemen. In der Zeit des Monopols mussten Betriebsinhaber und Arbeitnehmer den Kehrbezirk abarbeiten und durch das Nebentätigkeitsverbot kamen keine neuen Tätigkeiten hinzu. Durch viele Gutachten wurde die Arbeitszeit des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers addiert und so die Größe des Bezirks bestimmt. Wenn hier eine zeitweise Mehrarbeit erfolgte, konnte es am Jahresende wieder ausgeglichen werden, wenn die gesamte Arbeit geleistet war und somit keine weitere Möglichkeit zur Umsatzgenerierung zur Verfügung stand. Doch in der freien Marktwirtschaft hat bei vielen Arbeitgebern im Schornsteinfegerhandwerk ein Umdenkprozess stattgefunden. In der Zeit, in der wir früher unsere Überstunden abgebaut haben, werden heute weitere freie Tätigkeiten durchgeführt, wie zum Beispiel Einzelraumfeuerstätten und dazugehörige Schornsteine gebaut und installiert, Rauchwarnmelder montiert und gewartet oder Energieberatungen durchgeführt. Der Arbeitgeber erhält durch diese Mehrarbeit des Arbeitnehmers eine Umsatz- und natürlich Gewinnsteigerung, die im Großteil der Fälle leider nicht ordentlich vergütet wird. Durch das Fehlen des Arbeitszeitkontos kann auch nicht genau bestimmt werden, welche Mehrleistung erbracht wurde und wie viele Überstunden in Freizeit abgegolten oder besonders bezahlt werden sollen. Somit steht ihr ohne einen Nachweis und somit genauso da, wie die Kolleginnen und Kollegen, die eine geregelte Arbeitszeit von 38,5 Stunden die Woche haben.

Das entspricht nicht den Idealen eines gerechten Systems, denn wir sollten im Schornsteinfegerhandwerk den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit erhalten. Wenn Überstunden aufgebaut werden, müssen diese vergütet oder mit Freizeit bezahlt werden. Wir können euch nur raten, ein solches Arbeitszeitkonto zu führen, um zukünftig mehr Gerechtigkeit in den Betrieben zu erhalten. Sprecht eure Funktionsträger vor Ort an und fragt nach einem Arbeitszeitkonto. Sie können euch hier weitreichende Hilfe anbieten!

Tim Ratajczak

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