Januar 2016: Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Daniel Fürst

das Jahr 2015 hat damit geendet, dass wir mit unserem Sozialpartner einen Tarifabschluss erzielen konnten, ohne dabei Arbeitskampfmaßnahmen ergreifen zu müssen. Doch wie ihr alle wisst, ist nach dem Tarifabschluss gleichzeitig auch immer vor dem Tarifabschluss. Dies bedeutet, dass wir auch in diesem Jahr die Tarifvorbereitungen nicht einstellen werden. Vielmehr wollen wir verstärkt auf die tarifliche Situation im Schornsteinfegerhandwerk hinweisen und dabei aufzeigen, dass es heute und in Zukunft wichtiger ist denn je, sich in der Gemeinschaft ZDS zu engagieren. Und dies nicht ausschließlich nur, wenn es darum geht, die Arbeitnehmerrechte in den Betrieben zu stärken. Als ZDS haben wir es uns auch zur Aufgabe gemacht, für unsere Zukunft zu sorgen. Und wenn es um die Zukunft im Schornsteinfegerhandwerk geht, so sieht diese derzeit ziemlich düster aus. Die nationalen und internationalen Klimaschutzziele tragen hierbei ihren Teil maßgeblich dazu bei. So gibt es bereits Studien, die aufzeigen, dass die Wärmeerzeugung im Ein- und Zweifamilienhausbereich bis zum Jahr 2050 zu 62 % von Wärmepumpen erbracht wird. Dahingegen nur noch zu einem Anteil von rund 3 % durch die Verbrennung von Öl und Gas. Nach jetzigem Stand würde dies bedeuten, dass nahezu alle Schornsteinfegerbetriebe eine existenzbedrohende Zeit erwarten wird. Diese Entwicklung können wir nicht aufhalten. Also müssen wir uns bewegen und etwas ändern! Wir können bereits jetzt die Weichen für unsere eigene Zukunft stellen. Viele Branchen haben getreu dem Sprichwort „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ ihre Produkte oder Dienstleistungen angepasst. Zum Beispiel hat die Automobilindustrie vor Jahren schon in die Entwicklung der Elektromobilität investiert. Heute ist es Alltag, dass Autos in unseren Städten fahren, welche nicht mit Benzin oder Diesel angetrieben werden. Auch große Energiekonzerne wie E.ON oder RWE haben sich auf Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien vorbereitet und umfängliche Umstrukturierungen ihrer Unternehmen umgesetzt. Weg von Kern- und Kohlekraftwerken, hin zu erneuerbaren Energien lautet die Devise. Auch Handwerksberufe haben sich auf die anstehenden Veränderungen im Strom- und Wärmesektor vorbereitet. So gibt es heute wesentlich mehr SHK-Betriebe, welche die Errichtung und Wartung von Wärmepumpen, Blockheizkraftwerken oder Windkraftanlagen in ihrem Portfolio haben. Fast alle Branchen haben erkannt, dass die Zukunft nicht den fossilen Rohstoffen zugeschrieben werden kann. Nur das Schornsteinfegerhandwerk möchte dies augenscheinlich noch nicht wahrhaben. In politischen Gesprächen wird von einigen Funktionären immer noch versucht, neue Aufgaben für den Schornsteinfeger im Gebührenbereich zu bekommen. Immer noch wird in Bezirken, Gebühren und Arbeitswerten gedacht. Und der Begriff Kehrbezirksvolumen ist leider Gottes ebenfalls in unserem Sprachgebrauch. Mit Erschrecken stellen wir fest, dass sich seit Fall des Monopols zwar in der Verwaltung einiges geändert hat. Nicht aber in den Köpfen der Unternehmer im Schornsteinfegerhandwerk. Diese unternehmen derzeit nämlich nur das Nötigste und warten ab, was die Zukunft wohl bringen mag. Doch wir könnten mehr. Wir müssten mutig sein und neue Wege ausprobieren. Neue Bereiche entdecken und uns an andere Dienstleistungen herantasten. Neben unserer Aufgabe als Gewerkschaft, welche im Kern darin liegt, die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer im Schornsteinfegerhandwerk zu verbessern, werden wir uns in diesem Jahr intensiv mit der Perspektive Schornsteinfegerhandwerk beschäftigen. Wir wollen vorbereitet sein, wenn uns die jetzigen Tätigkeiten kein Essen mehr auf den Tisch bringen. Es ist unsere Zukunft, die derzeit den Bach runtergeht, wenn nicht bald ein Umdenken stattfindet. Wir wollen mit der Politik, unserem Sozialpartner, Marktpartnern und unseren Mitgliedern in den Dialog treten und Wege diskutieren, die das Schornsteinfegerhandwerk in Zukunft gehen kann. Ich wünsche mir, dass wir in diesem Jahr unserer Zukunft auch inhaltlich ein großes Stück näher kommen und dass wir es gemeinsam schaffen, dem ohnehin gefallenen Monopol in unserem Handwerk entfliehen zu können.

Euer
Daniel Fürst

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