Juli 2016: Arbeits- und Gesundheitsschutz

Julian Schwark

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

kennt ihr den Unterschied zwischen einer Gage und einem Gehalt? Eine Gage bekommen Künstler wie beispielsweise Zirkusartisten für ihre Leistungen, welche vor allem bei den Zuschauern dafür sorgen sollen, dass diese die sportlichen und mitunter gefährlich anmutenden Übungen bewundern.

Ein Gehalt hingegen ist die Entlohnung des Arbeitnehmers für seine Arbeitsleistung. Warum schreibe ich das?! Ganz simpel: Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Schornsteinfeger ein Gehalt bekommt und keine Gage!

Wir führen keine Kunststücke auf, die unsere Kunden belustigen sollen, sondern wir erbringen eine Dienstleistung. Auf Arbeitssicherheitseinrichtungen zu verzichten, ist keine Heldentat, sondern einfach nur unprofessionell.

Wir müssen dem Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz wieder mehr Raum widmen. Hierzu zählen nicht nur der Arbeitsschutz mit Gefährdungsbeurteilungen und die Sicherheitseinrichtungen auf unseren Verkehrswegen oder die persönliche Schutzausrüstung. Auch der Gesundheitsschutz als solcher wird hierzulande viel zu sehr vernachlässigt.

Insbesondere der Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen wird von vielen Schornsteinfegern tagtäglich unterschätzt. Der Verzicht auf das Tragen von Arbeitshandschuhen und Staubmaske, meistens aus Bequemlichkeit, ist oftmals das größte Problem.

Aus europäischer Sicht sind die deutschen Schornsteinfeger hinsichtlich des Gesundheitsschutzes sehr rückständig. Beispielsweise haben die norwegischen Schornsteinfeger mittlerweile ein Verbot der Nutzung von Firmenwagen für private Zwecke.

Mit dem rußbehafteten Firmenwagen seine Kinder von der Schule abzuholen, ist aus Sicht des Gesundheitsschutzes höchst bedenklich. Ebenso ist das Waschen der Arbeitskleidung in der heimischen Waschmaschine in Norwegen nicht mehr erlaubt, da die Angehörigen und Mitmenschen mit gefährlichen Substanzen in Verbindung gebracht werden können.

Zurzeit gibt es in Dänemark und Norwegen Forschungsprojekte zu den Spätfolgen einer Kontamination mit Gefahrstoffen, wie z.B. Ruß.

Insbesondere diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die einen Auszubildenden haben, müssen hier verstärkt auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz achten und mit gutem Beispiel vorangehen.

Es handelt sich insgesamt um ein tückisches Thema, da die Folgen im Gesundheitsschutz oftmals erst Jahre oder Jahrzehnte später zu Beeinträchtigungen führen. Oft ist dies beim Umgang mit asbesthaltigen Produkten der Fall. In jedem Kehrbezirk gibt es Asbest und der Schornsteinfeger geht regelmäßig mit diesem Stoff um.

Irgendwann genießt man seinen Ruhestand und bekommt dann die Diagnose Asbestose oder Krebs. Dann wird jeder sagen: „Hätte ich damals nur besser aufgepasst!“ Leider ist es dann meist zu spät. Bei vielen kommt dann erste der Moment, an dem es wünschenswert wäre, die Zeit zurückdrehen zu können.

So ist es bei der Beachtung des Arbeitsschutzes auch. Diesmal wird schon nichts passieren. Doch irgendwann passiert es eben doch. Meistens nach jahrelanger Berufspraxis, wenn die Tätigkeiten auf dem Dach oder anderen Verkehrswegen zur Routine geworden sind. Auch dann würden wir alle am liebsten die Zeit zurückdrehen!

Lassen wir es nicht so weit kommen. Jeder von uns sollte auf sich achten. Sicherheitseinrichtungen benutzen, Mängel nachverfolgen, persönliche Schutzausrüstung tragen und unseren Auszubildenden ein gutes Beispiel geben.

Wir können vieles beeinflussen, nur die Zeit eben nicht!

Mit kollegialen Grüßen
Julian Schwark

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