Juni 2017: Wir wollen’s Fair! Doch gibt’s das auch wo anders?

David Villmann

Es ist Montag morgen, mein Wecker klingelt und reißt mich aus meinen Träumen. Bei dem Einen klingelt der Wecker früher, bei dem Anderen später. Aber er klingelt überall – fair denn da müssen wir alle durch. Danach ins Bad, anziehen und bei einer Tasse Kaffee nach dem Wetter schauen. Es regnet. In meinen Gedanken stelle ich fest, dass auch der Regen seine ganz eigene Fairness hat. Denn er durchnässt Stadt und Land, Arm und reich, Hütten und Paläste, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Hund und Kind. Danach geht’s in den Kehrbezirk, um meine Arbeit zu erbringen. Feuerstätten haben die gleichen Anforderungen, jeder Schornsteinfeger tänzelt über die einheitlich geregelten Sicherheitseinrichtungen und die Messung erfolgt nach einer einheitlichen Arbeitsanweisung für Schornsteinfegertätigkeiten. Nach einem üblichen Arbeitstag, den Schornsteinfeger in ganz Deutschland kennen, muss ich wie jeder meiner Kolleginnen und Kollegen auch, die Abrechnung für den Arbeitstag machen, den Ruß von mir entfernen und darf danach in den wohlverdienten Feierabend gehen. Zuhause angekommen kaufe ich mir Kinokarten, um mir den neusten Superheldenstreifen anzuschauen. Ein Abenteuer auf einer Kinoleinwand auf der ein Held versucht, trotz Gegenwehr von Bösewichten und Intrigen, für Gerechtigkeit und Fairness zu kämpfen. Nach der Vorstellung gehe ich erschöpft ins Bett, denn Schlaf braucht bekanntlich jeder von uns. Meine Welt scheint perfekt zu sein. Als ich weiter mit offenen Augen durch den Alltag ziehe, fallen mir immer mehr Dinge auf die fair und gerecht sind. Doch am 16. des Monats, genauer gesagt beim Schornsteinfegertreffen um die Ecke, erfuhr ich, dass es nicht immer fair zugeht.

Mein Freund und Kollege, der mit mir im selben Betrieb arbeitet, hat heute eine kleinere Lohntüte entgegennehmen dürfen als ich. Und das obwohl wir beide einen Schornsteinfegermeister sind. Er erklärte, dass sein Meistertitel aktuell keinen finanziellen Vorteil für ihn bieten würde, da er erst noch genügend Erfahrung benötige um auch meisterlich bezahlt zu werden. Es saß bei dem Treffen noch ein Kollege am Tisch, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Er kam aus den neuen Bundesländern zu uns, weil er für dieselbe Arbeit die er dort leisten muss, bei uns mehr Geld verdient. In weiteren Gesprächen vielen uns noch mehr Unstimmigkeiten auf, die mein faires Weltbild veränderten. Erst kürzlich konnten sich die Arbeitgeber unter der Woche treffen, um ihre alljährliche Innungsversammlung abzuhalten, um wichtige Beschlüsse für die Zukunft des Handwerks zu treffen. Dies sei notwendig und wichtig hatten Sie uns erzählt. Das finde ich komisch, denn wir dürfen uns bis heute nicht unter Fortzahlung des Lohns treffen, um entscheidende Beschlüsse zu treffen mit denen wir, im Gegensatz zu unseren Arbeitgebern, auch leben müssen. Zudem erhielten all unsere Freunde aus anderen Berufen Lohnerhöhungen, um einen Reallohnverlust zu vermeiden und die Kaufkraft aufrecht zu erhalten bzw. zu steigern. Hier leiden wir noch immer unter der Novellierung des Schornsteinfeger-Handwerksgesetzes, welches seinerzeit Existenzängste hervorrief und die Gehälter für Arbeitnehmer der schwarzen Zunft stagnieren lies.

Nachdem wir bei den Gesprächen an unserem Schornsteinfegertreffen festgestellt haben, dass es in unserem Handwerk eben nicht überall FAIR zugeht, haben wir beschlossen, für Fairness zu kämpfen. Jeder von uns musste ein Held werden und für Gerechtigkeit kämpfen, wie es uns das Leben in allen Lebenssituation vorspielt. Doch alleine würde dies nicht funktionieren. Denn nur in der Gemeinschaft können wir unsere Kräfte vereinen und für Fairness einstehen.

Deshalb fordern wir als Solidargemeinschaft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Schornsteinfegerhandwerk die Arbeitgeber auf, Fairness auch bei uns walten zu lassen. Wir fordern eine Lohnerhöhung von 6 % für das kommende Jahr. Wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit in allen Bundesländern Deutschlands. Wir fordern ein Meistergehalt für jeden Schornsteinfeger der die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt hat und nicht nur für diejenigen, welche 4 Jahre Berufserfahrung nachweisen können. Und zuletzt fordern wir eine bundesweit einheitliche Regelung für einen Versammlungstag, um Beschlüsse für die Zukunft des Schornsteinfegerhandwerks fassen zu können. Denn ein zukunftsfähiges Handwerk braucht starke Sozialpartner!

Wir sind bereit. Wir wollen’s fair!

Euer David Villmann

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