Juli 2015: Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Mathias Kazek

egal wo man hinschaut, wird im Schornsteinfegerhandwerk über Fachkräftemangel gesprochen. Seien es Termine bei Ministerpräsidenten, den Innungen oder den zuständigen Behörden für die Kehrbezirksvergabe. Das Thema Fachkräftesicherung zieht sich durch alle Ebenen. Alle machen sich Gedanken darüber, wie wir Schornsteinfeger in Zukunft unsere Arbeiten vollziehen sollen, wenn der Nachwuchs fehlt.

Mitarbeiter zu finden ist auch nicht ganz so einfach wie in anderen Gewerken. In unserem Handwerksgesetz gibt es ja, Gott sei Dank, noch § 2 Teil 1, in dem festgeschrieben ist, dass die Mindestanforderung zur Durchführung der Arbeiten in Schornsteinfegerbetrieben der Gesellenbrief ist. Wir können keine Zeitarbeitsvermittlung beauftragen. Obwohl „Gott sei Dank“ eigentlich auch nicht die richtigen Worte sind. Vielmehr ist es den Funktionsträgern, den Mitgliedern des ZDS und in dem Fall auch der Zusammenarbeit mit der Innung zu verdanken. Wir haben schon immer für Qualität im Handwerk gekämpft, und da wir einen sehr verantwortungsvollen Beruf haben, gehört auch dazu, dass nicht jeder unsere Arbeiten verrichten darf. Wir müssen uns dafür einer Ausbildung unterziehen, in der wir technisches Wissen, aber auch Verantwortungsbewusstsein und den Umgang mit Kunden lernen. Bevor wir selbstständig arbeiten dürfen, müssen wir Prüfungen ablegen, in denen festgestellt wird, ob wir uns der Aufgaben bewusst sind und ob wir überhaupt das fachliche Wissen besitzen, diese zu bewältigen.

Wenn man bedenkt, dass in den kommenden Jahren viele Bevollmächtigte das Rentenalter erreichen werden und die Pension genießen dürfen, hat dieses Engagement zur Folge, dass wir bald nicht mehr genug Fachkräfte haben, um die Arbeiten flächendeckend auszuführen zu können oder gar die Kehrbezirke zu besetzen.

Stellt sich die Frage, ob der § 2 SchfHwG noch zeitgemäß ist. Es gibt nur eine Antwort: natürlich. Die Qualität und das Verantwortungsbewusstsein von Schornsteinfegern wurde noch nie so sehr gebraucht wie jetzt. In Zeiten, in denen der Eigentümer selbst für die Durchführung der Arbeiten verantwortlich ist und neue Aufgaben für unser Handwerk dazukommen. Also verschwenden wir keine Zeit damit, unser Gesetz in Frage zu stellen, sondern gehen auf die Suche nach neuen Fachkräften.

Natürlich kann z.B. bei einem Maurerlehrling der Betrieb anders kalkulieren als unserer. Ein Auszubildender darf eben nicht ohne Aufsicht Aufgaben der Brand- und Betriebssicherheit ausführen. Aber auch über dieses Thema haben wir uns schon Gedanken gemacht. Wir werden von vielen Gewerken um unsere Ausbildungskostenausgleichskasse (AKS) beneidet. Wir haben ein System, bei dem alle Betriebe unseres Handwerkes in diese Kasse einzahlen. Auszahlungen entstehen allerdings nur zur Unterstützung von Betrieben, die tatsächlich ausbilden. Die Kosten für unseren Nachwuchs werden also sowieso von allen getragen.

Die neue Ausbildungsverordnung ist schon verabschiedet. Somit wird unser Beruf abwechslungsreicher und interessanter. Allerdings wird unser Job unterschätzt. Wenn ein Schüler „Schornsteinfeger“ hört, denkt er garantiert nicht an zukunftsorientierte und sicherheitsrelevante Arbeiten, sondern an schmutzige Hände und Ruß. Im Vergleich kann jeder etwas mit dem Beruf „Kfz- Mechatroniker“ anfangen und kennt den Aufgabenbereich und grobe Inhalte der Ausbildung. Da leider nur wenige Personen wissen, was genau WIR alles machen, wird aber keiner auf uns zukommen. Der Appell geht also an alle Schornsteinfeger: Wir müssen aufklären, was alles zu unseren Tätigkeiten gehört, und das Interesse für den tollen Beruf Schornsteinfeger wecken, um motivierten Nachwuchs zu gewinnen. Wir müssen den ersten Schritt machen. Es kommt doch oft genug vor, dass neugierige Jugendliche bei der Messung der Heizung mit in den Keller kommen oder interessierte Eltern nachfragen.


Mathias Kazek

Regionalsekretär
Regionalverband Südwest

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