März 2015: Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Über Kollegialität und Menschlichkeit im Verband

Daniel Fürst

nachdem Frank Weber am 27. Februar 2015 nach 18 Jahren von seinem Amt als 1. Vorsitzender des ZDS zurückgetreten ist, wurde ich im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung vom erweiterten Zentralverbandsvorstand als neuer 1. Vorsitzender des ZDS gewählt. Viele Themen hat Frank während seiner Amtszeit vorangebracht und somit nicht nur unseren Verband, sondern das gesamte Schornsteinfegerhandwerk maßgeblich geprägt. Begonnen mit dem Bau des Innovationszentrums Schornsteinfegerhandwerk in Erfurt, steuerte der ZDS neuen Zeiten entgegen. Dabei waren die Strukturreform innerhalb des ZDS mit der Schaffung von Hauptämtern in unserem Verband und die Novellierung des Schornsteinfegerhandwerksgesetzes nur zwei große Themen, welche Frank vorangetrieben, gemeistert und mit Erfolg für den ZDS und das Schornsteinfegerhandwerk umgesetzt hat. Alleine an den Themen sieht man, dass es große Fußstapfen sind, in die ich trete. Doch nicht mit Furcht vor der Herausforderung, sondern mit Respekt, Verantwortung und Freude möchte ich das Amt des 1. Vorsitzenden ausfüllen. Auch in Zukunft wird es für den ZDS nicht weniger bedeutende Aufgaben geben, welche wir gemeinsam angehen müssen. Zunächst wird uns unweigerlich die Tarifrunde 2015 beschäftigen. Bei dieser müssen wir, wie bei der letzten Tarifrunde auch, geschlossen hinter unseren Forderungen stehen und die Umsetzung unseres Forderungspaketes notfalls erkämpfen. Bereits in diesen Tagen versuchen wir, die Meinungen unserer Mitglieder zu den Tarifforderungen zu erfahren. Diese werden ausgewertet und schlussendlich mit in unser Forderungspaket eingebunden werden.

Doch noch weitere Themen stehen momentan auf unserer Tagesordnung. Mit der Umsetzung der Klimaschutzziele ist es auch zu unserer Aufgabe geworden, die Bundesregierung tatkräftig bei ihrem Vorhaben, den Klimaschutz in Deutschland voranzutreiben, zu unterstützen und unser Handwerk als Multiplikator zwischen Gesetzgebung und Bürger, aber auch als zuverlässigen Partner bei dem Erreichen der Klimaschutzziele darzustellen. Als ZDS sind wir in Arbeitsgremien auf Bundesebene eingebunden und versuchen dort sinnvolle Lösungsansätze aus Sicht der Schornsteinfeger zur Umsetzung der Energiewende mit einzubringen. Mittelfristig ist die CO2-Einsparung nicht nur ein nationales Thema. Konzepte, welche in Deutschland funktionieren, können auch in anderen europäischen Ländern angewendet werden und umgekehrt. Nicht nur deshalb wird es immer wichtiger, uns mit unseren Verbündeten in anderen europäischen Ländern auszutauschen. Je stärker eine Gemeinschaft ist, desto mehr können wir erreichen. Dieser Grundsatz gilt selbstverständlich nicht nur bis zur Grenze, sondern auch darüber hinaus. Deshalb wollen wir den Kontakt zu der ICU (Europäische Schornsteinfegergewerkschaft) vertiefen und uns aktiver in die Geschehnisse auf europäischer Ebene einbringen.

In Anbetracht der Änderungen, das Schornsteinfegerhandwerk betreffend, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene ist es auch die Aufgabe des ZDS, zu diskutieren, welche Richtung unser Handwerk einmal einschlagen kann. Bleibt alles bei dem, wie es jetzt ist, oder wird sich unser Beruf verändern? Diese Frage sollten wir uns alle einmal stellen. Realistisch betrachtet glaube ich, dass Letzteres der Fall sein wird. Unser Handwerk ist ein modernes Handwerk, welches in der Vergangenheit nicht nur einmal seine Anpassungsfähigkeit an eine fortschrittliche Gesellschaft bewiesen hat. Der Schornsteinfeger wird sich über die Jahre hinweg den technischen Neuerungen anpassen. Wir werden noch mehr auf die Suche nach neuen Tätigkeitsfeldern gehen. Und wir werden feststellen, dass es zwar gut ist, wie das Schornsteinfegerhandwerk momentan aufgestellt ist, es aber noch besser sein könnte. Das Streben nach mehr ist es, das es uns in den letzten Jahren ermöglicht hat, unseren Berufsstand in eine bessere Gegenwart zu führen. Für die Zukunft werden sich manche Schornsteinfegerbetriebe die Frage stellen müssen, ob sie eher die handwerklichen Tätigkeiten für ihren Betrieb sehen oder vielmehr eine beratende, vielleicht sogar gutachterliche Tätigkeit in den Vordergrund ihres Aufgabenspektrums stellen. Wie auch immer die Entwicklung der einzelnen Betriebe und die des Schornsteinfegerhandwerks aussehen mag, wir müssen heute bereits beginnen, uns darüber Gedanken zu machen. Wir müssen uns jetzt umsehen und wir müssen beginnen zu handeln. Nur wer die Zukunft früh erkennt, kann in der Gegenwart die Weichen dafür stellen.

Ich freue mich auf eine gemeinsame Zukunft für uns und für das Schornsteinfegerhandwerk.

 

Mit kollegialen Grüßen

Daniel Fürst

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