Mai 2016: Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Daniel Fürst

der Wegfall des Monopols durch die Novellierung des Schornsteinfegerhandwerksgesetzes im Jahr 2008 war ein einschneidendes Ereignis für das Schornsteinfegerhandwerk. Noch nie zuvor gab es weitreichendere Veränderungen in unserem Beruf. Und bei den meisten war die Zeit der Veränderung geprägt von Angst. Angst vor der Zukunft und Angst, die eigene Existenz zu verlieren. Heute, acht Jahre später, wissen wir, dass wir zu Unrecht Angst hatten vor den anstehenden Veränderungen.

Die Betriebe erwirtschaften Rekordumsätze. Auch die Auftragsbücher sind nach wie vor voll. Der anhaltende Fachkräftemangel trägt sein Übriges zum Wohlbefinden der wirtschaftlichen Lage bei. Allerdings muss uns bewusst sein, dass wir nicht auf ewig so weitermachen können. Der Wegfall des Monopols war nur der Anfang. Die weitaus schwierigere Phase, nämlich dass sich das Schornsteinfegerhandwerk auf die Zukunft einstellen muss, sollte in diesen Tagen passieren. Doch das geschieht nicht. Die Betriebe haben noch nicht erkannt, dass sie selbst für ihre Zukunft planen müssen. Dabei meinen wir nicht die Investition in eine Altersvorsorge oder Ähnliches, sondern die Umstrukturierung der Tätigkeiten als Schornsteinfeger. Und dabei reicht es nicht, dass wir eine neue Ausbildungsordnung oder eine neue Meisterprüfungsordnung haben, in der viele der neuen Tätigkeiten aufgeführt sind. Die Betriebe müssen diese Tätigkeiten auch ausüben. Wenn die Messungen nach 1. BImSchV und die Abgaswegeüberprüfung wegfallen, müssen andere Aufgaben des Schornsteinfegers bereits an dessen Stelle gebracht worden sein.
Die Bürger müssen in dem Schornsteinfeger mehr sehen als nur den Kontrolleur einer Heizungsanlage. Dem Schornsteinfeger muss auch zugeschrieben werden, dass er sich zusätzlich mit Energieeinsparung und anderen Dienstleistungen auskennt. Die Weichen dafür müssen wir als Handwerk bereits jetzt stellen. Je früher wir damit anfangen, uns aktiv mit der Energie- und Wärmewende auseinanderzusetzen, desto früher können wir für uns einen neuen Markt erschließen. Die Energiewende kommt. Ob wir wollen oder nicht. Das Einzige, was wir dabei ändern können, ist unsere Einstellung dazu.
Wir werden in den kommenden Jahren viele Ressourcen darauf verwenden, uns in den Energiethemen einzubringen. Wir wollen dadurch Einblick in neue Perspektiven bekommen. Und wir wollen das Schornsteinfegerhandwerk bis 2050 dahingehend stärken, dass wir gemeinsam unserem Beruf ein neues, besseres Gesicht verleihen.

An unserem 38. Zentralverbandstag in Garmisch-Patenkirchen werden wir die letzten zwei Jahre unserer Arbeit darstellen. Alle Delegierten können sich im Vorfeld ausreichend mit den Inhalten beschäftigen und auf dem 38. Zentralverbandstag auf der Zugspitze mit uns in die Diskussion gehen. Jedoch wollen wir auch in die Zukunft blicken. Damit wir in der Lage sind, das Schornsteinfegerhandwerk fit für die Zukunft zu machen, müssen wir ebenso unseren Verband festigen. Die ersten Pfeiler dafür sind bereits gesetzt. In den kommenden Jahren wollen wir dies weiter ausbauen. Wir werden als ZDS unseren Schwerpunkt den gewerkschaftlichen Themen widmen, ohne dabei die fachlichen Bereiche aus dem Blickfeld zu verlieren.
Gemeinsam erklimmen die Delegierten an unserem Verbandstag das „Dach“ Deutschlands, die Zugspitze. Gemeinsam werden wir die Weichen für unseren Verband stellen. Unter dem Motto: „Gemeinsam SPITZE!“

Mit kollegialen Grüßen

Euer
Daniel Fürst

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