September 2016: Was bringt es wirklich, Gewerkschaftsmitglied zu sein?

Michael Plümer

Was bringt es wirklich, Gewerkschaftsmitglied zu sein?


„Heute gelten Gewerkschaften als uncool. Sie passen nicht in die moderne Jobwelt, in der sich ein fürsorglicher Chef liebevoll um die Probleme seiner Angestellten zu kümmern scheint. Doch die Liebe endet, wenn jeder Einzelne für sich allein um mehr Gehalt verhandeln muss.“ Ein schönes Zitat aus dem Kommentar von Zacharias Zacharakis auf ZEIT ONLINE.
Doch sind Gewerkschaften so uncool, wie man meint? Und was bringt es wirklich, Gewerkschaftsmitglied zu sein?
Wenn man auf der Suche nach den Antworten ist, stellt man schnell fest, dass gewisse Informationen in der Diskussion fehlen. So werden beispielweise die Anzahl der Urlaubstage als „normal“ angesehen. Schaut man sich aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen an, so regelt das Bundesurlaubsgesetz einen bezahlten Mindesturlaub von 20 Arbeitstagen bei einer Fünftagewoche. Das ist normal. Alle weiteren Urlaubstage darüber hinaus sind tarifliche Errungenschaften von Gewerkschaften!
Bei unserer Arbeitszeit von 38,5 Stunden pro Woche gehen viele Beschäftigte ebenfalls vom „normalen“ Stand aus. Aber auch hier gibt es gesetzliche Mindestregelungen, welche den Arbeitnehmer schützen und für ausreichend Erholung sorgen sollen. Allerdings geht hier das Arbeitszeitgesetz von einer maximalen Arbeitszeit von 2.304 Stunden pro Jahr (52 Jahreswochen abzüglich vier Wochen gesetzlicher Urlaub) aus, was einer 48-Stunden-Woche zugrunde liegt. Die 548,4 Stunden oder knapp 23 Tage an mehr (Frei- und Familien-) Zeit, sind dann wieder eine tarifliche Errungenschaft.
Bei der dritten großen Säule, dem Lohn, muss man etwas genauer hinschauen. Hier gibt es neben dem gesetzlichen Mindestlohn von aktuell 8,50 € pro Stunde, einen Branchenmindestlohn für das Schornsteinfegerhandwerk von aktuell 12,95 € pro Stunde. Dieser allerdings wird von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Gewerkschaftsmitglieder haben darüber hinaus einen Anspruch auf eine tarifliche Entlohnung gemäß ihrem Tarifvertrag und dieser liegt deutlich über dem gesetzlichen oder Branchenmindestlohn.
Zu alledem kommen noch weitere Leistungen wie Jahressonderzahlung, Wasch- und Kleidergeld, Zahlung der vermögenswirksamen Leistungen und die betriebliche Altersvorsorge. Aber auch bei Fragen des Arbeits- und Sozialrechts, beispielsweise bei Kündigungen, geben Gewerkschaften ihren Mitgliedern Rat und Schutz oder sie setzen sich für mehr Bildung und bessere Qualifikation für die Arbeitnehmer ein. Alles Errungenschaften von Gewerkschaften!
Ich selbst bin seit 1997 Mitglied im ZDS und ich sehe Gewerkschaften vor allem auch als starke solidarische Gemeinschaften, die für unsere Interessen als Arbeitnehmer in allen Gesellschaftsbereichen eintreten. Es gibt keine Alternative und die Gegenkräfte sind vielfältig organisiert. Die Stärke dieser Gemeinschaft ist direkt abhängig von der Zahl ihrer Mitglieder. Mit meiner Mitgliedschaft trage ich dazu bei, Arbeitnehmerinteressen und Mitbestimmung zu stärken und vor allem durchzusetzen.
Manchmal ist das keine Frage von „cool oder uncool“, sondern von Überzeugung und Einstellung. Ich bin überzeugt, dass sich Arbeitnehmer organisieren sollten.
Der ZDS ist eine engagierte und kämpferische Gewerkschaft, welche sich in allen Fragen der Branchenpolitik mit hoher Fachkompetenz, großem gewerkschaftlichem Know-how und Verhandlungskönnen für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen engagiert und wenn nötig auch die Konfrontation mit den Arbeitgebern nicht scheut.
In diesem Sinne ist es cool, ein Gewerkschafter zu sein!

Euer/Ihr
Michael Plümer

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