Oktober 2014: Solidarität macht stark!

Michael Plümer

Lisa Tetzners Roman „Die schwarzen Brüder“ ist den meisten unter uns im Schornsteinfegerhandwerk bekannt, sei es als Buch, als Fernsehproduktion oder Kinofilm – leider hat er es nur in einzelne deutsche Kinos geschafft, denn es ist ein wirklich sehenswerter Film mit einem hervorragenden Moritz Bleibtreu in einer der Hauptrollen – und nicht zu vergessen das Musical, das am 7. August seine Deutschlandpremiere auf Schloss Bückeburg in Niedersachsen feierte.

Was aber macht die Faszination dieser Geschichte aus, die sich so oder ähnlich ja nun tatsächlich zugetragen haben kann? Das jährliche Schornsteinfegertreffen in Santa Maria Maggiore erinnert an das dramatische Schicksal der zahlreichen Kaminfegerjungen aus dem Tessin und sollte Anlass sein, uns achtungsvoll und kritisch mit der brutalen europäischen Geschichte der Kinderarbeit in unserem Handwerk auseinanderzusetzen. Das Buch „Hunger, Ruß und Kälte“ liefert hierzu auch entsprechende wissenschaftlich fundierte Literatur.

Die Beschreibung der Umstände und Situationen der Kaminfegerjungen liefern aber nur den Rahmen für die eigentliche Botschaft der Geschichte: Es geht um Solidarität und Gemeinschaft, um die Erkenntnis, als Einzelner schwach, in der Gemeinschaft und im Verbund mit Leidensgenossen und Kollegen aber stark zu sein. Um den Grundgedanken unserer Gewerkschaft also und die Erkenntnis, dass diese Form von Solidarität und Zusammenhalt auch nach einigen Rückschlägen immer zum Erfolg und damit zur Verbesserung der eigenen Situation führt.

Das haben mittlerweile alle Kolleginnen und Kollegen in unserem Handwerk erkannt, solange sie vor ihrer eigenen Entwicklung und Situation nicht die Augen verschließen. Natürlich nicht jeder braucht sie immer, die Gemeinschaft. Oft kann man sich natürlich auch selbst und alleine helfen. Wenn man die Gemeinschaft aber braucht, und das ist in jedem Berufsleben mindestens einmal der Fall, dann wird sie nur dann hinter einem stehen, wenn man sich in der Vergangenheit für andere eingesetzt hat – also Teil der Gemeinschaft war.

Die letzte, in diesem Sinne wegweisende Entscheidung trafen die Kolleginnen und Kollegen aus dem Raum Ostfriesland, die sich nach 40 Jahren wieder für unseren Verband entschieden haben. Damit ist der letzte „Weiße Fleck“ auf der bundesdeutschen Landkarte verschwunden; Bereiche, in denen Arbeitnehmerrechte nur auf dem Papier, nicht aber in der Praxis gelten. Natürlich gibt es immer noch Regionen, in denen noch mehr den Weg in die Solidarität finden könnten, aber es werden immer weniger. Das macht Hoffnung und zeigt, die Geschichte von Lisa Tetzner ist auch heute noch aktuell.

Gerade deshalb und wegen der Hintergründe hat die ICU den Kinofilm auch im Rahmen des internationalen Schornsteinfegertreffens in Santa Maria Maggiore öffentlich vorgeführt, um zu erinnern. Es war ein schönes Erlebnis

Euer/Ihr
Michael Plümer

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