Juni 2015: Übers Schwimmen

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Julian Schwark

als verantwortlicher Vorstand für den Bereich Technik und Bildung des ZDS gehört die Entwicklung des Schornsteinfegerhandwerks zu meinen wichtigsten Aufgaben. Hierzu gehören die Ausgestaltung von technischen Rahmenbedingungen sowie deren Einarbeitung in das Berufsbild, die Ausbildungsverordnung und natürlich auch die Meisterprüfungsverordnung. Darüber hinaus ist aber gerade auch die Erschließung neuer Tätigkeitsfelder ein wesentlicher und in keinem Fall zu vernachlässigender Punkt.

Wie ihr alle erfahren habt, ist die Umsetzung der Ausbildungsverordnung in der Theorie abgeschlossen. Warum sage ich in der Theorie? Ganz einfach – die gesetzlichen Grundlagen sind vorhanden und die Verbände haben die nötigen Arbeitsmittel erarbeitet. Allerdings fehlt es an anderen Stellen: Nicht jeder Betrieb unterrichtet die geforderten Tätigkeiten und auch nicht alle überbetrieblichen Ausbildungsstätten sind in der Lage, die übertragenen Aufgaben in einer Güte zu vermitteln, die angemessen ist. Ebenso müssen die Schulen noch nachbessern. Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige am liebsten alles so belassen möchten, wie es ist, und tausend Gründe finden, die Erneuerungen nicht umzusetzen. Für mich ist dies eine abartige Faulheit, die sehr gefährlich ist! Im Prinzip ist die Weiterentwicklung des Berufes wie das Schwimmen gegen den Strom – wer aufhört zu schwimmen, treibt zurück und verschwindet irgendwann ganz von der Bildfläche.

Als Nächstes stellt sich die Frage: Warum soll dieser Sachverhalt für eine Gewerkschaft von Belang sein?

Es steht außer Frage, dass sich das Schornsteinfegerhandwerk weiterentwickeln wird. Seit jeher haben der technische Fortschritt und die Gesetzgebung einen wesentlichen Einfluss auf die Tätigkeiten des Schornsteinfegers genommen. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Deshalb werden das Berufsbild, die Ausbildungsverordnung und auch die Meisterprüfungsverordnung stetig angepasst: so, dass sich das Schornsteinfegerhandwerk weiterentwickelt und nachhaltig Arbeitsplätze gesichert werden können.

Zukünftig wird das Schornsteinfegerhandwerk mit neuen Aufgaben im Bereich der Energieeffizienz beauftragt werden und somit seinen Beitrag zur Wärmewende leisten. So werden wir in Zukunft beispielsweise das Altanlagen-Labeling durchführen oder den Heizungs-Check umsetzen, welche beide feste Bestandteile des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) sind.

Die größten Gefahren, denen sich das Schornsteinfegerhandwerk heute stellen muss, sind zum einen, dass wir an den alten Dingen festhalten, und zum anderen, dass das Handwerk die ihm übertragenen Aufgaben nicht richtig erledigt. Deshalb müssen wir alle zusammen in den Gremien, den Mitbestimmungsorganen, den Prüfungsausschüssen und auch im täglichen Umgang mit den Auszubildenden die neuen Vorgaben und Richtlinien umsetzen. Weiterhin wird ein zu lockerer Umgang mit den uns übertragenen Aufgaben dem Beruf des Schornsteinfegers auf kurze oder lange Sicht Schaden zufügen! Es muss uns eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir die neuen Ausbildungsinhalte umsetzen, Feuerstättenschauen persönlich durchführen, rechtssichere Bescheide erlassen und neue Dienstleistungen in unseren täglichen Arbeitsalltag einbeziehen. Wir dürfen und können es uns nicht erlauben, die in uns gesetzten Erwartungen zu enttäuschen – und: Wir müssen heute säen, was wir morgen ernten wollen!

Das bedeutet, dass wir heute neben den klassischen auch die neuen Tätigkeiten aus den Bereichen Energieeffizienz, Brandschutz und Verbesserung von Abgasanlagen anbieten müssen! Und dies möchte ich betonen: „müssen“ (!), nicht können oder sollten. Wir müssen diese Tätigkeiten in unser Arbeitsfeld aktiv implementieren, damit wir hier Fuß fassen können und zukünftig einen Teil unseres Lohnes daraus generieren können.

Ich bin zutiefst schockiert, welche Lethargie mir oftmals in den Gesprächen mit Arbeitgebern im Schornsteinfegerhandwerk, aber auch mit Arbeitnehmern begegnet. Natürliche weiß ich, dass wir alle viel zu tun haben. Aber es hilft nichts, wir sind verpflichtet, heute anzufangen, die Zukunft des Schornsteinfegers zu sichern!

Lasst uns zusammen daran arbeiten, dass wir auch in Zukunft in unserem schönen Beruf arbeiten können!

Mit kollegialen Grüßen

Julian Schwark

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