13.05.2009: Bundesrat beschließt erste bundesweite Kehrordnung

Das Schornsteinfegerhandwerk befindet sich im Umbruch. Mit In-Kraft-Treten des neuen Schornsteinfeger-Handwerksgesetzes (SchfHwG) zum 29.11.2008 hat sich die Rechtsgrundlage für die schwarzen Männer und Frauen verändert.

Ein weiterer Schritt in der Reform des Schornsteinfegerwesens ist die Verabschiedung der ersten bundeseinheitlichen Kehr- und Überprüfungsordnung durch den Bundesrat am kommenden Freitag, den 15.05.2009.

Durch diese Novelle wird erstmals ein einheitlicher Rahmen für alle Kehr- und Überprüfungspflichtige Feuerungsanlagen geschaffen. Die neue Kehrordnung soll dann zum 01.01.2010 in Kraft treten und betrifft rund 20 Millionen Haushalte.

Der Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger e.V. – gewerkschaftlicher Fachverband – begrüßt die Novelle ausdrücklich. „Somit haben wir ab dem nächsten Jahr endlich vergleichbare Gebührentatbestände von Flensburg bis Garmisch. Dies bedeutet für die Verbraucher ein mehr an Transparenz“, so der 1. Vorsitzende Frank Weber. Die neue Kehrordnung basiert auf einem umfangreichen REFA Arbeitswertegutachten und wird für einen Großteil der Hauseigentümer Kostenentlastungen mit sich bringen.

Der interessierten Öffentlichkeit und den Kunden stellen sich nun einige Fragen zur zukünftigen Gestaltung der
Schornsteinfegertätigkeiten.

Mit den folgenden Beispielen beantwortet Herr Weber greifen wir die häufigsten Fragen auf und geben Antworten. Für detailierte Rückfragen steht Ihnen der 1. Vorsitzende des Zentralverbandes Deutscher Schornsteinfeger e.V., des gewerkschaftlichen Fachverbandes, Herr Frank Weber unter 0361-/8951-0 jederzeit direkt zur Verfügung.

XX: „Welche Auswirkungen haben das neue Gesetz und die neue Kehrordnung für die Kunden? Ist mit einer Kostensteigerung zu rechnen?“

Frank Weber: „Kunden können zukünftig ihren Schornsteinfegerbetrieb frei auswählen. Nach einer entsprechenden Übergangsfrist bis zum Jahr 2013 wird die Wahlfreiheit voll wirksam. Bis dahin besteht für die Kunden die Möglichkeit einen Betrieb aus dem EU-Ausland auszuwählen. Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass diese Betriebe Leistungen nicht günstiger anbieten und zuweilen die hohen Qualitätsstandards der hiesigen Meisterbetriebe nur schwer erreichen. Für den Kunden ist es also schon aus Kostengründen nicht attraktiv einen solchen Anbieter zu wählen. Wenn die volle Wahlfreiheit greift, kommt der zuständige Schornsteinfeger nur noch zwei Mal in sieben Jahren zu einem Arbeitsgang. Zu diesen Terminen nimmt er die Feuerstättenschau vor. Alle anderen Leistungen des Schornsteinfgerhandwerks zu denen die Hauseigentümer weiterhin gesetzlich verpflichtet sind, können an frei zu beauftragenden Schornsteinfegerbetrieben mit entsprechender Qualifikation vergeben werden. Eine Kostensteigerung durch die neue Kehr- und Überprüfungsordnung ist eher unwahrscheinlich.“

XX: „Was bedeutet die Reform des Schornsteinfegerrechts für die Schornsteinfeger?“

Frank Weber:“Die Reform gibt den Betrieben die Möglichkeit, ihr Dienstleistungsprofil auszubauen. Zukünftig können mehr Leistungen aus einer Hand vom qualifizierten Schornsteinfegerbetrieb angeboten werden. Dies ist vor allem im Bereich der Energieberatung, aber auch in vielen anderen Bereichen rund um das Thema Wärme und Energie möglich. Je nach Qualifikation und Spezialisierung des Betriebes vor Ort, wird der Kunde durch seinen Schornsteinfeger über die neuen Möglichkeiten informiert.“

XX:“Wie viele Schornsteinfegerbetriebe gibt es in Deutschland?“

Frank Weber: „Der Gesetzgeber hat im neuen Gesetz geregelt, dass die Zahl der Betriebe, der so genannten Kehrbezirke stabil bleibt. Der Gesetzgeber will damit erreichen, dass in den frei werdenden Kehrbezirken junge Existenzgründer eine Chance auf dem Markt bekommen. Außerdem erhofft man sich, dass vor allem die neuen Existenzgründer, die sich bietenden Marktchancen nutzen und die ca. 20.000 Arbeitsplätze im  Schornsteinfegerhandwerk sichern helfen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass es auch weiterhin rund 7.800 Betriebe geben wird. Diese Anzahl wird auch in Zukunft eine sinnvolle Kundennähe und persönlichen Service garantieren können.“

XX:“Wie entwickeln sich die Ausbildungszahlen, hat der Schornsteinfegerberuf eine Zukunft und ist Schornsteinfeger eigentlich auch ein Beruf für Frauen?“

Frank Weber: „Die Ausbildungszahlen in den vergangenen Jahren sind rückläufig. Die Ausbildungsbereitschaft der Betrieb war zum Teil stark rückläufig. Wie viele Branchen in Deutschland, steht auch das Schornsteinfegerhandwerk mittelfristig vor einem Fachkräftemangel. Der Schornsteinfegerberuf hat sich seit Ende der 1960er Jahre zu einem anspruchsvollen Berufsbild mit hohen technischen Anforderungen entwickelt. Heute gilt der Schornsteinfeger als Energieexperte und bietet umfangreiche Dienstleistungen rund um die Themen Klima und Energie. Grundsätzlich gilt der Schornsteinfegerberuf vor dem Hintergrund der Klimaveränderung und den drängenden Fragen der Energieeinsparung unter Experten als Beruf mit Zukunft. Die Zahl der Schornsteinfegerinnen ist ansteigend. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Frauen in unserem Beruf sehr positiv entwickelt. Wir bewegen uns auf über 10 % Frauenanteil im Handwerk zu. Das ist zwar prozentual noch nicht viel, für einen so klassischen Männerberuf aber beachtlich. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Frauen dem Schornsteinfegerberuf absolut gewachsen sind und hervorragende Vertreterinnen unseres Handwerks sind.“

Zur Person Frank Weber und dem ZDS:
Weber ist seit 1997 Bundesvorsitzender des Zentralverbandes Deutscher Schornsteinfeger e.V. – Gewerkschaftlicher Fachverband- (ZDS). Die Organisation vertritt alle in einem Betrieb beschäftigten Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger in der Bundesrepublik Deutschland. Vom Auszubildenden bis zum angestellten Meister sind fast alle Berufsangehörigen der schwarzen Zunft hier organisiert.

Der Verband feierte im Jahr 2007 sein 100jähriges Bestehen. Der Sitz des Verbandes befindet sich seit dem Jahr 2001 in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Das dortige Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk® erhielt im vergangenen Jahr von Bundespräsident Horst Köhler die Auszeichnung als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“.

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