17.12.2013: Abschluss des Bundestarifvertrages für das Schornsteinfegerhandwerk

Pressemeldung vom 17.12.2013

Erfurt - Nachdem sich die Tarifkommissionen von ZIV und ZDS bereits am 03. Dezember 2013 auf den Inhalt eines Bundestarifvertrages (BTV) für die Jahre 2014 und 2015 verständigt hatten, kam es kurzfristig zu einigen Turbulenzen. Diese waren einmal wieder auf Unruhen in den Reihen der Arbeitgeber zurückzuführen. Der Landesinnungsverband für das Saarland hat seiner eigenen Tarifkommission auf Bundesebene das Vertrauen entzogen und dies auch schriftlich dokumentiert. Hintergrund war, dass der LIV den im Saarland zusätzlich festgeschriebenen Versammlungstag für die Kolleginnen und Kollegen abschaffen wollte. Dieser Tag hat für die Beschäftigten im Saarland jedoch, nicht nur tarifpolitisch eine historische Bedeutung. Bedenkt man, welche wichtigen Weichenstellungen für unser Handwerk immer wieder durch den ZDS angestoßen werden, sollte die demokratische Tradition einer ZDS Versammlung an einem dafür arbeitsfreien Tag, auch eher beispielgebend für den Rest der Bundesländer sein. Der Landesinnungsverband argumentierte mit einer angeblichen Disparität der Schulungstage gegenüber den anderen Bundesländern. Nach eingehender Diskussion konnte nun ein Ergebnis zwischen beiden Tarifkommissionen auf Bundesebene erzielt werden. So wird der Versammlungstag in einer Formulierung, wie auch in Hessen, weiterhin Bestandteil des BTV sein. Die Anzahl der Freistellungstage wird jedoch um einen Tag auf nunmehr 5 reduziert. Im Gegenzug dazu erhalten die Kolleginnen und Kollegen im Saarland in den nächsten zwei Jahren 500 € Einmalzahlung zusätzlich zum vereinbarten neuen Stundenlohn.

Somit konnte nun ein BTV abgeschlossen werden, der auf beiden Seiten einen akzeptablen Kompromiss darstellt. Hierin enthalten sind für die neuen Bundesländer Lohnsteigerungen von insgesamt 3,5 % in 2014 und 2,95 % in 2015. Dies bedeutet einen Lohnzuwachs in 2015 auf Basis des jetzigen Lohnes um 6,6 %.

Natürlich ist diese Steigerung, insbesondere vor dem Hintergrund der in den meisten Altbundesländern höheren Anhebung, nicht geeignet, die Kluft zwischen den Löhnen in Ost und West tatsächlich kleiner werden zu lassen. Dies kann dauerhaft auch nur gelingen, wenn sich die Kolleginnen und Kollegen in den betroffenen Ländern stärker im ZDS organisieren und für ihre Rechte geschlossen eintreten.

Für die alten Bundesländer ergeben sich unterschiedliche Lohnsteigerungen, da es uns auf dem Verhandlungsweg gelungen ist, einige Bundesländer im Lohnniveau anzugleichen. Dadurch entstanden Steigerungen von bis zu 9,62 %. Sicher waren die Erwartungen in einigen Ländern höher als der erzielte Abschluss. Die Tarifkommission des ZDS hat sich jedoch darauf verständigt, einen Streik im Schornsteinfegerhandwerk tatsächlich als ultima ratio (letzte Möglichkeit) zu sehen. Unser Ziel, einer weiteren Verbesserung der Löhne, können wir auf dem Verhandlungsweg für 2016 erreichen, wenn wir in gleicher Geschlossenheit wie in dieser Tarifrunde auftreten. Über die neuen Lohnsummen werdet Ihr rechtzeitig über die bundesweit vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten informiert.

Weiterhin ist es uns gelungen, auch für die älteren Kollegen ohne Meisterprüfung eine bessere Einstufung in den verschiedenen Tarifgruppen, durch mehr Durchlässigkeit zu erreichen. Auch dies war ein wichtiges Ziel dieser Tarifrunde. Die sozialen Kahlschläge, welche die Arbeitgeberorganisation für den Neuabschluss eines BTV gefordert hatte, konnten abgewehrt werden.

Auch die aufgrund eindeutiger Gerichtsurteile in Frage gestellte Urlaubsregelungen nach Lebensalter, konnte durch die Angliederung an die Tarifgruppen ersetzt werden. Dadurch entsteht kein geringerer Jahresurlaub, wie es die Arbeitgeber wollten.

Die Tarifkommission des ZDS hat sich die Entscheidung zum Abschluss des BTV nicht einfach gemacht. Wir sind uns jederzeit bewusst gewesen, wie hoch die Erwartungshaltung der Kolleginnen und Kollegen an diese Tarifrunde war. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass dieser Tarifabschluss ein guter Schritt in die richtige Richtung ist. Wir bedanken uns bei allen Kolleginnen und Kollegen, welche die Tarifkommission mit den zahlreichen Aktionen in der Kampagne unterstützt haben. Wir durften einmal wieder tatsächliche Solidarität im ZDS erleben.

Im Gegensatz zu unserem Sozialpartner ZIV treten wir einig und geschlossen für die Zukunft unseres Handwerks und seiner Beschäftigten ein. Dies führt uns jetzt und in Zukunft zu Erfolgen.

Mit solidarischen Grüßen

Eure Tarifkommission

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