20.01.2014: Freiheit ‒ die Definition des ZIV!

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Erfurt - In einem der letzten Leitartikel im Informationsmagazin des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks ZIV wird Bezug auf den Leitartikel der Novemberausgabe des Schornsteinfeger genommen. Zunächst sei klargestellt, dass der dort verwendete Freiheitsbegriff und dessen Definition nicht, wie vom Autor auf Arbeitgeberseite unterstellt wird, dem Internetportal Wikipedia entnommen ist, sondern einem politisch wissenschaftlichen Diskurs über den modernen Freiheitsbegriff. Dass sich diese inhaltlich völlig richtige Definition auch auf Wikipedia wiederfindet, ist dem Autor dieses Artikels erst nach Lesen des ZIV-Artikels aufgefallen, zeigt aber, dass die Recherche auf Seiten der Arbeitgeber offensichtlich beim ersten Suchmaschinenklick endet.

Doch damit der Verwirrung noch nicht genug. So werden die derzeitigen Löhne in den neuen Bundesländern mit den durchschnittlichen Niedriglöhnen in den neuen Bundesländern verglichen. Es grenzt schon an Frechheit, hochqualifizierte FacharbeiterInnen im Schornsteinfegerhandwerk mit Löhnen von unter 8,50 €, wie sie leider in einigen Bereichen Ostdeutschlands tatsächlich an der Tagesordnung sind, zu vergleichen. Nicht umsonst suchen viele Beschäftigte dieser Regionen in anderen Teilen der Republik ihre berufliche Zukunft, wo sie aufgrund ihrer Qualifikation wesentlich bessere Löhne erhalten ‒ bei vielerorts durchaus vergleichbaren Lebenshaltungskosten. Dies ist dem Autor wohl verborgen geblieben, was die Vermutung nahe legt, dass er den Osten unseres Landes lediglich von Postkarten kennt.

Darüber hinaus wird uns als Interessenvertretung der Beschäftigten vorgeworfen, den entsprechenden Ausgleich für die Betriebe im Rahmen der Gesetzgebung verhindert zu haben. Wenn der Autor damit die vom ZIV eingeforderte Vernichtung von bis zu 3000 Arbeitsplätzen durch die geplante Auflösung der freiwerdenden Kehrbezirke in der Übergangszeit meint, dann können wir nur stolz darauf sein, dies tatsächlich verhindert zu haben. Dies zeigt, wie beharrlich sich die Arbeitgeber weigern, aus Fehlern klug zu werden. Viele Zerrüttungen in den Reihen des Sozialpartners sind erst dadurch entstanden, dass faktisch fast keiner der in den letzten Jahren bestellen Unternehmer eine Chance zur Selbstständigkeit im Rahmen eines Kehrbezirkes gehabt hätte, wenn ihre eigene Organisation sich durchgesetzt hätte. Viele ZDS-Fördermitglieder sind gerade deshalb uns und unseren Forderungen verbunden.

Die geplante Zerschlagung von Unternehmen und die Vernichtung von Arbeitsplätzen als „Freiheit“ zu definieren, war bisher das Vorrecht einer Partei, die sich aus eben diesem Grund mittlerweile in der außerparlamentarischen Opposition befindet.

Gerne lade ich den unbekannten Autor ein, sich vor Ort ein Bild von den neuen Bundesländern zu machen. Die ZDS-Geschäftsstelle hat schließlich ihren Sitz in der Landeshauptstadt Thüringens.

Die Unkenntnis des Autors kann ‒ dies sei der Vollständigkeit halber erwähnt ‒ natürlich auch der kontinuierlichen Abwesenheit ostdeutscher Arbeitgebervertreter bei den wichtigen Entscheidungen für unser Handwerk geschuldet sein. Auch hier hilft der ZDS gerne weiter, schließlich haben wir gemäß unserer Satzung einen Bildungsauftrag zu erfüllen.

Frank Weber
1. Vorsitzender

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