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Leitartikel

Seit geraumer Zeit wissen wir, dass sich in unserem Handwerk etwas ändern wird.

Daniel Fürst
Daniel Fürst /

Liebe Kolleginnen und Kollegen, seit geraumer Zeit wissen wir, dass sich in unserem Handwerk etwas ändern wird. Spätestens jedoch mit dem Übereinkommen von Paris, in dem sich 196 Nationen dazu bereit erklärt haben, sich aktiv gegen die globale Erderwärmung einzusetzen, müsste jeder in unserem Handwerk verstanden haben, dass es eine Veränderung auch bei uns geben wird.

Die nationale Umsetzung des Übereinkommens von Paris hat bereits begonnen. Die Bundesregierung hat mit ihren Klimaschutzplänen Vorgaben gemacht, welche umgesetzt werden. Dabei sollen bis zum Jahr 2050 rund 50 % CO2 im Vergleich zum Referenzwert von 1990 eingespart werden. Doch 50 % CO2-Einsparung in Deutschland ist nahezu gleichbedeutend mit 0 % CO2-Ausstoß im Gebäudeberiech bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Mit dieser Thematik beschäftigen wir uns bereits seit geraumer Zeit. Wenn wir den Wandel erfolgreich meistern wollen, muss das Schornsteinfegerhandwerk beginnen, in neuen Strukturen zu denken. Es darf keine Kostenkalkulation anhand von Gebühren außerhalb des hoheitlichen Bereiches geben. Kehrbezirksgrenzen sind obsolet. Das Angebot an Dienstleistungen von Schornsteinfegern ist nicht in der Bundeskehr- und Überprüfungsordnung definiert, sondern gestaltet sich nach den Regeln des freien Marktes. Der Preis gestaltet sich nach Angebot und Nachfrage. Leider haben viele von uns noch kein ausreichend gutes unternehmerisches Verständnis, selbst nach so vielen Jahren ohne Monopol. Viele ermitteln ihre Preise anhand der Gebührentatbestände des vergangenen Jahrzehnts. Einige denken immer noch in vier Quartalen bis zum Jahresende und die gedankliche Reichweite des eigenen Betriebes endet an der eigenen Kehrbezirksgrenze. Und die Anzahl der Arbeitswerte im Bezirk wird leider viel zu häufig mit der unternehmerischen Größe des Betriebes verwechselt.

Die Denkweisen in unserem Handwerk müssen sich rasch verändern. Wer bis vor wenigen Wochen noch der Meinung war, dass wir bis zum Jahr 2050 Zeit haben, unser Handwerksbild zu ändern, der irrt sich gewaltig. Die Veränderung begann bereits vor einigen Jahren. Und als wir glaubten, dass wir nur den Wegfall von Öl- und Gasfeuerungsanlagen durch neue Dienstleistungen kompensieren müssen, so machte uns die aktuelle Diskussion um die Ableitbedingungen bewusst, wie schnell es Änderungen auch bei Holzfeuerungsanlagen geben kann.

Wir leben in einer Zeit, in der Umweltschutz großgeschrieben wird. Im Jahr 2015 vereinbarten knapp 200 Nationen, sich der Erderwärmung entgegenzustellen. Seit Monaten gehen Schülerinnen und Schüler auf die Straße und protestieren für mehr Klimaschutz, sowohl das Europäische Parlament als auch unsere Bundesregierung legen ihren Fokus darauf, die Umwelt, Menschen und Tiere zu schützen. Und mich beschleicht manchmal das unwohle Gefühl, dass nur der Schornsteinfeger von alledem nichts mitbekommen möchte. Und das, obwohl wir direkt von jeglichen Maßnahmen zur CO2-Einsparung oder Feinstaubreduzierung betroffen sind. Statt uns mit neuen Technologien, wie beispielsweise der Wartung von Wärmepumpen, zu beschäftigen oder Althergebrachtes, wie die Reinigung von Lüftungsanlagen, am Markt anzubieten, verweilen wir auf der Stelle. Wir sind froh darüber, wenn alles bleibt, wie es ist: wenn die Bezirke gut gefüllt mit Arbeitswerten sind und wir vor dem 31.12. mit den uns übertragenen Aufgaben fertig sind – damit es im nächsten Jahr von Neuem beginnen kann. Was wir nicht bemerken, ist, dass sich die Welt um uns verändert. Getarnt und auf Zehenspitzen schleichend, kommt Veränderung auf uns zu, ob wir wollen oder nicht. Doch was wir beeinflussen können, ist, ob uns die Veränderung im Schlaf überrascht oder ob wir freudig auf sie warten und uns vorbereiten. Ich wünsche mir, dass die Jüngeren in unserem Handwerk, diejenigen, die noch Jahrzehnte als Schornsteinfeger arbeiten wollen, Vorreiter werden in der Rolle, unser Handwerk neu zu gestalten. Ich wünsche mir, dass wir aktiv werden und umdenken. Wir können es, wenn wir es zulassen und wollen.

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