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Leitartikel

Seit vielen Jahren bereits befindet sich unser Handwerk im Wandel.

Daniel Fürst
Daniel Fürst /

Liebe Kolleginnen und Kollegen, seit vielen Jahren bereits befindet sich unser Handwerk im Wandel. Einst waren wir nur dafür zuständig, Schornsteine zu reinigen. Eine Maßnahme des vorbeugenden Brandschutzes, welche bereits seit Jahrhunderten praktiziert wird und bis heute nicht an Bedeutung verloren hat.

Doch längst haben wir inzwischen unser Spektrum erweitert. Die Überprüfung der Einhaltung von Vorschriften, insbesondere im Bereich des Brand- und Immissionsschutzes, wurde zu einer unserer täglichen Aufgaben. Wir übernehmen die baurechtliche Abnahme bei der Installation von Feuerstätten und messen Emissionen an Feuerungsanlagen. Wir überprüfen die Betriebssicherheit von Feuerungsanlagen im Rahmen der Abgaswegeüberprüfung und beraten unsere Kunden hinsichtlich der richtigen Bedienung ihrer Feuerstätte. In der jüngsten Vergangenheit wandelte sich der Beruf des Schornsteinfegers sogar hin zum Gebäudeenergieberater. Diese Zusatzqualifikation ist inzwischen ein fester Bestandteil unseres Berufes. Die meisten Schornsteinfeger, welche die Meisterprüfung absolvieren, legen die Prüfung zum Gebäudeenergieberater gleich mit ab. Seit dem Wegfall des Schornsteinfegermonopols vor rund zehn Jahren finden vereinzelt weitere Entwicklungen statt, welche dem Beruf des Schornsteinfegers artverwandt sind. So zum Beispiel das Anbringen von Rauchwarnmeldern oder die Reinigung von Lüftungsanlagen. Ja, der Beruf des Schornsteinfegers hat sich verändert. Vom schwarzen Mann, der die Schornsteine vom Ruß befreit, hin zum Allrounder mit Kompetenz in sehr vielen Bereichen rund um Gebäude, Energie und Feuerungsanlage. Wir beweisen, dass wir anpassungsfähig sind. Diese Eigenschaft wird für uns in Zukunft sehr wichtig sein.
Doch die weitaus größere Herausforderung für die kommenden Jahre wird nicht die Anpassungsfähigkeit, sondern der Kampf um Fachkräfte. Was nutzt es, wenn wir uns als Handwerk fit für neue Dienstleistungen machen, aber niemand da ist, diese umzusetzen? Wenn wir uns der Energiewende anpassen, versuchen, dabei unseren Platz zu finden, und nicht bemerken, dass wir uns langsam selbst abschaffen.

Durch den anhaltenden Fachkräftemangel sind die Betriebe derzeit nicht in der Lage, sich neuen Dienstleistungen zu widmen. Selbst wenn einige Betriebsinhaber theoretisches Wissen für neue Aufgabenfelder neu erlernen, so kann dieses Wissen beim Kunden nicht umgesetzt werden. Es fehlen schlichtweg die notwendigen Fachkräfte dafür. Das hat zur Folge, dass keine Weiterentwicklung unseres Berufes stattfindet, obwohl es gerade in der jetzigen Zeit so wichtig wäre. Gerade in Hinblick auf die Umsetzung der Energiewende müssen wir uns dringend an die geänderten Bedingungen anpassen. Denn sollten die Schornsteinfeger sich nicht in neuen Aufgabenfeldern niederlassen, so wird es unseren Beruf nicht mehr lange geben. Keiner nimmt Rücksicht darauf, was mit dem Schornsteinfeger passiert, wenn es in naher Zukunft keine Öl- und Gasfeuerungsanlagen mehr geben wird. Von der zukünftigen Entwicklung Holzfeuerstätten betreffend ganz zu schweigen. Der Fachkräftemangel plagt uns allerdings noch an anderer Stelle. So wird die Besetzung freiwerdender Bezirke immer schwieriger. Denn der Mangel an Fachkräften hat zur Folge, dass weniger Schornsteinfegermeister zur Verfügung stehen, welche Bezirke verwalten können. In den kommenden zehn Jahren werden rund 25% der heutigen Betriebsinhaber in den Ruhestand gehen. Um diese Entwicklung zu kompensieren wäre eine Vielzahl von Fachkräften notwendig. Vor allem vor den Hintergrund, dass lediglich rund 45% der ausgelernten Auszubildenden später einmal die Meisterprüfung ablegen und im Handwerk bleiben. Alleine um das derzeitige System des Schornsteinfegerwesens aufrechtzuerhalten, benötigt unser Handwerk jährlich rund 680 Auszubildende. Leider zeigt der Trend eine beängstigende Rückentwicklung der Ausbildungszahlen.

Trotz der mahnenden Worte der Berufsverbände im Schornsteinfegerhandwerk zeichnet sich keine Kehrtwende ab. Die Betriebe sind mit sich und ihren Aufgaben im hoheitlichen Bereich und mit den Aufgaben nach Bundeskehr- und Überprüfungsordnung beschäftigt. Die Betriebsinhaber erledigen die Feuerstättenschau, die Abnahme nach jeweiligem Landesbaurecht, verwalten sich und ihren Betrieb und ganz nebenbei müssen die Aufträge der Kunden auch noch abgearbeitet werden. Wo also soll die Zeit herkommen, sich um neue Aufgabenfelder zu kümmern? Die Betriebe sind ausgelastet, sowohl physisch als auch gedanklich. Bezirksauflösungen und Fremdverwaltung, ausgelöst durch die Verwaltungen, tragen zu allem Überfluss zu unserem Unglück bei. Niemand scheint die drohende Gefahr zu bemerken, die der Mangel an Fachkräften mit sich bringt.

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