Historie des ZDS

Erste Anfänge eine Solidarisierung im Schornsteinfegerhandwerk

1874 wurde erstmals ein "Geselliger Verein" für Schornsteinfegergesellen in Hamburg und Altona gegründet. Allerdings wurde er 1876 wegen Repressalien der Arbeitgeber aufgelöst. Anfang 1907 wurden die Bemühungen um eine neue Gesellenvertretung wieder konkreter, als sich die Hamburger Schornsteinfegergesellen für einen höheren Wochenlohn einsetzten. Dieser lag damals bei 15 Mark. Als sich zu dieser Lohnerhöhung der Bezirksschornsteinfegermeister Reinhardt bei einer Innungsversammlung in Hamburg derart äußerte, "dass die Meister nicht dazu da wären, um Gesellenweiber zu ernähren", war die Solidarisierung der Schornsteinfegergesellen entfacht.
Gemeinsam mit der Vereinigung Berliner Schornsteinfeger-Gesellenschaft fasste man die Gründung eines deutschlandweiten Verbands ins Auge. Der Zweck des Verbands sollte sein, ausreichende Arbeits- und Lohnverhältnisse, bessere Arbeitsbedingungen und verunglückte und arbeitslose Kollegen sozial abzusichern.

1907 - Gründung des ZDS

Am 19. und 20. Mai 1907 fanden sich sodann 37 Delegierte aus dem ganzen deutschen Reich in den Andreas-Festsälen in Berlin ein, um den "Centralverein der Schornsteinfeger-Gesellen Deutschlands" zu gründen.

1907: Gründung des ZDS
Gründungsmitglieder des ZDS (1907)

Als Vereinsorgan wurde die Zeitschrift "Der Schornsteinfeger" herausgegeben. Anfangs wurde die Publikation mit Anteilsscheinen finanziert. Mit der Gründung wurde eine Resolution beschlossen, die die Länder dazu aufrief, das Schornsteinfegerwesen strenger zu reglementieren. Dazu sollten Kehrbezirke gleicher Größe gebildet werden. Sie sollten von Zeit zu Zeit neu bestimmt werden, um für Schornsteinfeger gleiche Einkommensverhältnisse in allen Landesteilen zu schaffen. Auch sollten diese Kehrbezirke von den Regierungsbezirken den Meistern in der Rangfolge ihres Alters zugewiesen werden. Dieses System wurde 1920 eingeführt und in ähnlicher Art bis 2008 betrieben. Im Laufe der Zeit schlossen sich immer mehr Landesverbände dem Centralverband an, so dass sein Einfluss im Handwerk wuchs. 1921 stellte die inzwischen in "Zentralverband" umbenannte Gesellenvertretung Geld für die Fachkurse der einzelnen Ortsgruppen zu Verfügung. Damit engagierte sich der Verein erstmals für die Fortbildung seiner Mitglieder. 1923 kam es in Breslau zum ersten Mal zu einem Streik der Gesellen für Lohnerhörungen, um die Auswirkungen der galoppierenden Inflation auszugleichen.

Dunkle Zeiten

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933, und der damit verbundenen Gleichschaltungspolitik, wurde der ZDS in den Deutschen Arbeiterverband des Baugewerbes eingegliedert. Die Zeitschrift "Der Schornsteinfeger" wurde im gleichen Jahr eingestellt. Der ZDS hatte aufgehört, als demokratische und unabhängige Gewerkschaft zu existieren.

Wiedergründung des ZDS

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg 1945 schien es unmöglich, in irgendeiner Form für das Schornsteinfegerhandwerk eine Arbeitnehmerorganisation neu ins Leben zu rufen. Denoch wurden 1946 die ersten Ortsverbände in westlichen Zonen wiedergegründet. 1947 fand in Frankfurt am Main die erste "Interzonentagung der Arbeitnehmer im Schornsteinfegerhandwerk" statt. Dort wurde beschlossen, wieder eine Fachzeitschrift herauszugeben, deren erste Ausgabe am 15. Oktober 1947 unter dem alten Titel "Der Schornsteinfeger" erschien. Im Januar 1949 erfolgte ein Aufruf zur Neugründung des Zentralverbands. Im Mai 1949 wurde in Leutesdorf am Rhein der ZDS neu gegründet. Ab April 1950 waren alle inzwischen gegründeten Landesverbände und damit 80 % aller Schornsteinfegergesellen Mitglied im ZDS.
1957 trat, nach der Eingliederung, das Bundesland Saarland als 11. Landesverband dem ZDS bei. Im selben Jahr wurde auch ein Streikfonds errichtet.

Der ZDS entwickelte sich fort

Im Jahr 1979 wurde die "Deutsche Schornsteinfeger Verlangs-GmbH" gegründet, in der die Fachzeitschrift und alle anderen Publikationen des ZDS verlegt wurden.
1984 kaufte der ZDS in Troisdorf (Nordrhein-Westfalen) ein Gebäude, um eine feste Geschäftsstelle einzurichten.

Im Februar 1990 wurde in Eilenburg der ZDS der DDR gegründet. Der 22. Zentralverbandstags beschloss, den "Schornsteinfeger" auch Mitgliedern des "Ost-ZDS" zukommen zu lassen. Ferner wurde angeregt, zur Fortbildung der Mitglieder das "Schornsteinfeger-Bildungs- und Forschungsinstitut e.V." (DSBF) zu gründen. Die Gründung fand schließlich im September desselben Jahres statt. Auf diesem außerordentlichen Verbandstag wurde der Antrag auf Eingliederung des ZDS der DDR einstimmig angenommen.

Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk

Ein Meilenstein in der Verbandsgeschichte war der Beschluss auf dem Zentralverbandstag 2000 in Bremen das Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk zu bauen, welches im Mai 2001 feierlich eingeweiht und in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt bezogen wurde.
Das Gebäude in Troisdorf verkauft.
Am 28.04.2008 war das Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk Preisträger im "Land der Ideen" und wurde hierfür vom Bundespräsidenten ausgezeichnet.

ZDS-Strukturänderung und Reform Schornsteinfegerwesen

Auf dem Zentralverbandstag in Hürth wurde 2006 die Änderung der ZDS-Verbandsstruktur beschlossen, die im folgenden Jubiläumsjahr umgesetzt wurde. Unter dem Ziel "Näher am Mitglied" zu sein und effizienter zu arbeiten, wurden die Landesverbände zu fünf Regionalverbänden zusammen geführt. Die Gründungsverbandstage der Regionalverbände fanden im Jahr 2007 statt.

Im Mai 2007 feierte der ZDS in Berlin seinen 100. Geburtstag. Er führt seitdem ein neues Verbandslogo, welches einer Briefmarke ähnelt. In der Tat ist der ZDS nach über 100 wechselhaften Jahren heute eine Marke.

2008 wurde nach langen Jahren der Reformdebatten und eines EU-Vertragsverletzungsverfahrens das Schornsteinfegergesetz geändert und die Monopolstellung der Kehrbezirke in weiten Teilen geöffnet. In einer fünf jährigen Übergangszeit konnte sich das Schornsteinfegerhandwerk bis Ende 2012 auf die neuen Aufgaben vorbereiten. Der ZDS begleitete nicht nur das Reformgeschehen offensiv mit, sondern war maßgeblich dafür verantwortlich, dass die wesentlichen handwerksrechtlichen Säulen des Schornsteinfegerhandwerks weiterhin vorhanden sind. In dieser Reformzeit, die geprägt war von massiven Auseinandersetzungen mit den Arbeitgeberverbänden, blieb der ZDS mit kühlem Kopf bei dem realistisch Machbaren. Dieses offene und ehrliche Vorgehen hat seine Glaubwürdigkeit innerhalb des Schornsteinfegerhandwerk, aber auch in Politik und Wirtschaft ennorm gesteigert.

Neuausrichtung der Säulen des ZDS

Im Jahr 2010 richtete der ZDS seine Tochtergesellschaften neu aus. So wurden die Deutsche Schornsteinfeger-Verlags GmbH und die Bayerische Schornsteinfeger-Verlags GmbH zur neuen Schornsteinfegerverlags GmbH zusammen geführt.
Außerdem wurde die S.I.B.-Service GmbH mit Sitz in Roth neu gegründet. Auf dem Zentralverbandstag 2012 wurde das Deutsche Schornsteinfeger Bildungs- und Forschungsinstitiut e.V. (DSBF) in DIE HANDWERKSSCHULE umbenannt.