Juni 2017: Ich brauche keinen ZDS – oder doch?!

Daniel Fürst

Immer wieder stellen sich junge Kolleginnen und Kollegen unmittelbar nach ihrer bestandenen Gesellenprüfung im Schornsteinfegerhandwerk die Frage, ob sie der Gewerkschaft ZDS beitreten sollen oder nicht. Die Frage ist durchaus berechtigt. Ich finde es sogar gut, wenn die Frage einer ZDS-Mitgliedschaft überhaupt gestellt wird. Denn nur so beschäftigen sich unsere Junggesellinnen und Junggesellen mit unserem Verband. Sie wägen Vor- und eventuelle Nachteile ab und beschäftigen sich damit, wofür der ZDS steht.

Doch die Antwort auf die Frage „Was bringt mir der ZDS?“ ist wahrlich nicht einfach zu klären. Wenn die Frage gestellt würde „Bringt es mir etwas, in den ZDS einzutreten?“, so wäre die Antwort eindeutig „JA!“. Doch so einfach ist die Antwort auf die Frage einer Mitgliedschaft in der Gewerkschaft meist nicht.

Viele Faktoren spielen bei der Entscheidung, einer Gewerkschaft beizutreten, eine große Rolle. Bei den meisten jungen Leuten ist die Erziehung der Eltern bereits ein ausschlaggebender Grund, ob sie sich Gewerkschaften nahe fühlen oder nicht. Hinzu kommen dann etwas später einige Faktoren während der Ausbildungszeit. Zum Beispiel, ob der Lehrgeselle im ZDS ist. Durch ihn/sie können die Vorteile unserer Gemeinschaft bereits während der Ausbildung vermittelt werden. In manchen Fällen kann der Azubi sogar selbst Erfahrungen mit dem ZDS sammeln. Auch die Einstellung des Arbeitgebers trägt zu der Entscheidung bei, in den ZDS einzutreten oder auch nicht. Wobei die Einstellung des Arbeitgebers gegenüber dem ZDS keine Rolle spielt, also ob er es befürwortet oder nicht. Es gibt durchaus viele beschäftigte Schornsteinfeger/-innen, die dem ZDS genau deshalb beitreten, weil es der jeweilige Arbeitgeber nicht wünscht. Sie aber bemerken, dass der Schutz in einer Gemeinschaft mehr wert ist als das Wort des Arbeitgebers, dass „es im Betrieb doch keine Probleme geben wird“.

Aber was genau hat ein Schornsteinfegergeselle von seinem ZDS? Nehmen wir an, dass ein beschäftigter Schornsteinfeger mit seinem Arbeitgeber in einen Konflikt gerät, welcher zu einer Kündigung führt. Dann ist der Geselle ohne ZDS-Mitgliedschaft gut beraten, wenn er sich einen Anwalt sucht und sich von ihm vertreten lässt. Immer wieder stellen wir fest, dass Kündigungsfristen falsch benannt werden oder die Kündigung zuungunsten des Arbeitnehmers gegen geltendes Recht verstößt. Dabei ist zu beachten, dass ein Anwalt teuer ist und im Vertretungsfall jede Partei die Kosten für ihren Anwalt selbst tragen muss. Auch die Auswahl an Fachanwälten, die sich mit den arbeitsrechtlichen Regelungen im Schornsteinfegerhandwerk explizit nicht auskennen, ist sehr groß.

Der Geselle, welcher sich für eine ZDS-Mitgliedschaft entschieden hat, kann sich im Fall eines Konfliktes mit seinem Arbeitgeber einfach an seinen ZDS wenden. Wir vertreten unsere Mitglieder in Arbeitsrechtsstreitigkeiten auch vor Gericht – kostenlos. Der ZDS hat alleine in diesem Jahr bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen bereits mehr als 92.000 € Lohnforderungen gegenüber Arbeitgebern einklagen können. Eine hohe Summe für die Arbeitnehmer im Schornsteinfegerhandwerk.
Jedes ZDS-Mitglied trägt mit seinem Mitgliedsbeitrag dazu bei, dass der ZDS den Kolleginnen und Kollegen helfen kann, die in einen Konflikt mit deren Arbeitgeber geraten.

Auch die Frage „Wie viel Lohn möchte ich als Schornsteinfegergeselle verdienen?“ spielt bei der Entscheidung, in den ZDS einzutreten, eine entscheidende Rolle. Während für ZDS-Mitglieder, sofern der Arbeitgeber Mitglied der Innung ist, die Entlohnung nach dem Bundestarifvertrag für das Schornsteinfegerhandwerk (BTV) in der jeweils gültigen Fassung gilt, haben Nichtmitglieder keinen Anspruch auf die Leistungen nach dem oben genannten Bundestarifvertrag. Dies kann im schlimmsten Fall bedeuten, dass ein Schornsteinfegergeselle nach dem Mindestlohn im Schornsteinfegerhandwerk entlohnt wird. Dieser liegt derzeit bei 12,95 € pro Stunde.
Auch hier solidarisieren sich Schornsteinfegergesellinnen und -gesellen, um mit ihrem Mitgliedsbeitrag die Unkosten für Tarifaktionen, Tarifkampagnen, Tarifverhandlungen und Streiks zu finanzieren. Würden wir uns nicht solidarisieren, wäre der Lohn im Schornsteinfegerhandwerk heute garantiert nicht so, wie wir ihn kennen!

Die Frage „Wie sieht meine Perspektive im Schornsteinfegerhandwerk aus?“ ist eng gekoppelt mit der Anzahl der Besuche an berufsbezogenen Fort- und Weiterbildungen. Es ist in der Tat so, dass sich die meisten Schornsteinfeger mehr durch ihr ausgeprägtes Fachwissen auszeichnen als durch ihr handwerkliches Können. Umso wichtiger ist es, dass sich auch die abhängig Beschäftigten regelmäßig weiterbilden. Nur so kann das erlernte Wissen aus der Lehrzeit und der Meisterschule nachhaltig auf einem aktuellen Stand gehalten werden. Wir erhalten uns durch den regelmäßigen Besuch von Weiterbildungsmaßnahmen unser Wissen und unsere Kompetenz. Denn dies zeichnet uns Schornsteinfeger nun mal aus. Im besten Fall wird der erlernte Wissensstand nicht nur beibehalten sondern durch den Besuch qualitativ hochwertiger Lehrgänge erweitert. Durch regelmäßige Aus- und Weiterbildungsbesuche sind wir in der Lage, uns auf die Neuerungen, welche die Zukunft mit sich bringen wird, vorzubereiten und unseren Berufsstand zu sichern. Jedes ZDS-Mitglied kann an den bundesweit angebotenen kostenlosen Schulungen, welche der ZDS für seine Mitglieder anbietet, teilnehmen. Jedes Jahr schult der ZDS in seinen Schulungsmaßnahmen mehr als 4.200 Teilnehmer.
Alle ZDS-Mitglieder leisten ihren Beitrag, damit die Weiterbildungen ausgearbeitet und kostenlos angeboten werden können. Dies hilft nicht nur jedem Teilnehmer, sondern qualifiziert nach und nach den gesamten Berufsstand und sichert unsere Zukunft.

Eine Aufzählung, welche Vorteile eine ZDS-Mitgliedschaft sonst noch beinhaltet, könnte über mehrere Seiten weiter aufgezählt werden. Doch was wirklich entscheidend ist, sind nicht die wirtschaftlichen Vorteile und das Gegenrechnen des monatlichen Mitgliedsbeitrages. Wirklich entscheidend ist die Tatsache, dass jemand bereit ist, für einen Kollegen einzustehen. Der ZDS ist mehr als ein Verband, welcher nur Dienstleistungen für seine Mitglieder anbietet. Der ZDS ist ein Zusammenschluss aus den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Schornsteinfegerhandwerk. Wir sind füreinander da. Wir helfen einander. Und wir kämpfen füreinander sollte es notwendig sein. Immer wieder machen wir die Erfahrung, dass die Treue zum ZDS nicht durch die angebotenen Mitgliedsleistungen erhalten wird. Es sind die substanziellen Dinge, welche uns dem ZDS nahebringen. Während Nichtmitglieder auf sich alleine gestellt sind, profitieren Mitglieder von der Familie ZDS. „Einer für alle – alle für einen“ ist nicht nur ein Spruch, sondern es wird im ZDS gelebt. Je schwieriger die Zeiten, desto mehr rücken wir zusammen und helfen uns gegenseitig, stehen füreinander ein und tragen Verantwortung. Nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Kollegen. Wenn jemand wissen möchte, ob es klug ist, in den ZDS einzutreten, so muss er sich die Frage stellen, ob ein Leben ohne eine (ZDS-)Familie schön sein kann.

Euer
Daniel Fürst

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