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Leitartikel

Unter den Handwerksberufen sind wir schon etwas ganz Besonderes.

Daniel Fürst
Daniel Fürst /

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unter den Handwerksberufen sind wir schon etwas ganz Besonderes. In vielen Bereichen gleichen wir einander. Beispielsweise bei den grundsätzlichen Vorgaben durch die Handwerksordnung. Bei genauerer Betrachtung jedoch unterscheiden wir uns sehr deutlich von anderen Handwerksberufen. Gemeinsamkeiten finden wir beispielsweise bei unserer Ausbildung.

Wie die meisten anderen Ausbildungsberufe auch haben wir Schornsteinfeger eine Regelausbildungsdauer von drei Jahren. Das duale Ausbildungssystem sieht vor, dass sich die Auszubildenden die vorgegebenen Lerninhalte sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule aneignen sollen. Hinzu kommt die sogenannte überbetriebliche Ausbildung. Dabei werden praktische Inhalte im Klassenzimmer und in Praxisseminarräumen vermittelt. Die Auszubildenden kommen dadurch in den Genuss, mit allen relevanten praktischen Tätigkeiten in Berührung zu kommen. Nach den drei Jahren Ausbildung wird, wie bei den meisten Ausbildungsberufen im Handwerk, eine Gesellenprüfung abgelegt.

Auch die weiteren Jahre ähneln stark denen von anderen Handwerken. Manche besuchen unmittelbar nach ihrer bestandenen Gesellenprüfung gleich einen Meisterprüfungsvorbereitungslehrgang. Andere arbeiten zuvor einige Monate, bevor der nächste Schritt der Karriereleiter ansteht. Andere hingegen sind als Gesellen glücklich und wollen nicht weiter die Schulbank drücken. Diejenigen, die sich dazu entschließen, ihren Meisterbrief abzulegen, steht eine harte Zeit bevor. Egal, ob der Meisterprüfungsvorbereitungslehrgang in Vollzeit, Teilzeit, Blockunterricht oder in E-Learning-Form besucht wird, die Meiserprüfung hat es in sich. Viele der Gesellen nehmen die Anstrengung auf sich, denn der Meisterbrief bildet die Voraussetzung für eine Selbstständigkeit im Handwerk. Wie 40 weitere Handwerksberufe gehören wir Schornsteinfeger zu den sogenannten „Anlage A“-Berufen der Handwerksordnung. Das sind zulassungspflichtige Berufe, bei denen der erworbene Meisterbrief Grundvoraussetzung für die Eintragung in die jeweilige Handwerksrolle ist – also die Voraussetzung für eine Selbstständigkeit.

In der Selbstständigkeit liegen die größten Unterschiede zu anderen Gewerken

Früher gab es Bewerberlisten. Je nach Rangstichtag ergab sich der Platz auf dieser Liste. Je besser der Platz, desto eher bekam der Schornsteinfeger einen Kehrbezirk zugewiesen. Heute gibt es diese Liste nicht mehr. Jeder Schornsteinfeger, der einen Bezirk verwalten möchte, reicht bei der dafür zuständigen Behörde seine Bewerbungsunterlagen ein. Aufgrund des derzeitigen Fachkräftemangels im Schornsteinfegerhandwerk stellt sich nicht die Frage, ob ein Bewerber einen Bezirk bekommt, sondern wann er einen bekommt. Natürlich müssen die vorgegebenen Kriterien der persönlichen und fachlichen Eignung vorhanden sein.

Während in anderen Handwerksberufen die Selbstständigkeit sorgfältig und über viele Jahre hinweg vorbereitet wird, so haben es die Schornsteinfeger an dieser Stelle relativ einfach. Derzeit ist die Situation so, dass von den Behörden mehr Bezirke ausgeschrieben werden, als es Bewerber gibt.
Die Existenzgründungsphase eines Schornsteinfegers lässt sich ebenso nur bedingt mit anderen Handwerksberufen vergleichen. Während andere Gewerke zu Beginn ihrer Selbstständigkeit für die Anschaffung von Maschinen, Werkzeugen und Spezialfahrzeugen hohe Investitionen tätigen müssen, so reichen bei einem Schornsteinfegerbetrieb in der Regel wesentlich geringere Investitionssummen zur Existenzgründung. Manche können die Existenzgründung sogar ohne Kredite, nur aus Eigenmitteln finanzieren.

Und noch ein weiterer entscheidender Faktor vereinfacht dem Schornsteinfeger die Existenzgründung. Aufgrund der Tatsache, dass die meisten Schornsteinfeger ihre Selbstständigkeit mit der Verwaltung eines Bezirkes beginnen, ist der Zugang zum Kunden um ein Vielfaches einfacher. Alleine der Bekanntheitsgrad, welchen ein bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger erlangt, wenn er von der Behörde auf einen Bezirk bestellt wird, öffnet Tür und Tor zum neuen Kundenstamm. Das Unternehmerrisiko minimiert sich signifikant.

Einerseits sind die Gegebenheiten für die Schornsteinfeger sehr bequem und sorgen dafür, dass wesentlich mehr Gesellen den Meisterbrief ablegen und sich selbstständig machen als in anderen Berufen. Auf der anderen Seite aber verkümmert der Unternehmenssinn der Schornsteinfeger.

Bezirke sind Fluch und Segen zugleich

Wir stehen in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Wir wissen, dass aufgrund der beschlossenen Klimaschutzziele der Bundesregierung der Öl- und Gasverbrauch im Wohnungssektor bis zum Jahr 2050 stark zurückgehen wird. In vielen Wohngebieten ist der Anschluss für Nah- und Fernwärmenetze für den Endkunden bereits jetzt schon vorgeschrieben. Auch die Beheizung von Wohngebäuden mit festen Brennstoffen ist mancherorts wegen der Feinstaubbelastung nur bedingt möglich, teilweise sogar schon mit Verbrennungsverboten belegt.

Wir wissen, was in den kommenden Jahren auf uns zukommt. Aus diesem Grund haben die Verbände im Schornsteinfegerhandwerk Arbeitskreise eingerichtet, welche sich mit der Entwicklung neuer Tätigkeitsfelder beschäftigen. Von der Energieberatung über die Reinigung von Lüftungsanlagen bis hin zum Montieren von Rauchwarnmeldern ist alles dabei. Als ZDS sind wir sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Denn neue Tätigkeitsfelder alleine helfen dem Schornsteinfegerhandwerk nicht weiter. Die Betriebsinhaber benötigen genügend Freiräume in ihrem Arbeitsalltag, um neue Geschäftsfelder aktiv umsetzen zu können. Derzeit verbringen viele bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger zu viel Zeit im Büro. Dort muss dringend eine Entlastung erfolgen.

Büroarbeiten lähmen das Geschäft

Das Auflösen und die Fremdverwaltung von Bezirken wirkt sich zudem mehr als schädlich auf die weitere Entwicklung des Schornsteinfegerhandwerks aus. Während viele Behörden die Ansicht vertreten, dass die bevollmächtigten Bezirksschonsteinfeger ausschließlich und vorrangig für die Erledigung hoheitlicher Tätigkeiten vorhanden sind, versuchen wir, dieser irrtümlichen Meinung entgegenzuwirken.

Werden die Bezirke durch Auflösung oder Fremdverwaltung zunehmend größer, verringert sich der privatwirtschaftliche Teil des Schornsteinfegerbetriebes. Neue Tätigkeitsfelder können nicht erschlossen werden, die Entwicklung des Schornsteinfegerhandwerks wird blockiert. Dafür allerdings verstärkt sich der Fokus auf den hoheitlichen Bereich. Das Monopol des Schornsteinfegers könnte von den Behörden, ohne es bewusst forcieren zu wollen, durch die Hintertüre sogar wieder eingeführt werden.

Doch die Intention zur Zeit der Reform im Schornsteinfegerhandwerk war eine andere. Die Schornsteinfegerarbeiten sollten dem freien Wettbewerb unterliegen. Schornsteinfeger können sich neuen Tätigkeitsfeldern widmen und je nach Angebot und Nachfrage ihre Preise gestalten. Damit weiterhin flächendeckend die Betriebs- und Brandsicherheit sichergestellt ist, wurden Bezirke eingerichtet. Für jeden Bezirk wurde ein Bevollmächtigter bestellt, der diesen verwaltet. Aufgrund der geringen Gebühr, welche für die hoheitlichen Tätigkeiten verrechnet werden darf, muss dem Bevollmächtigten erlaubt sein, ein Gewerbe zu führen.

Gebühren sind zu niedrig

In manchen Teilen Deutschlands sind die Bezirke inzwischen so groß geworden, dass es dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger nicht möglich ist, sein Gewerbe im Privatwirtschaftlichen ordentlich zu führen, sich auf die Zukunft vorzubereiten, dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken, sich auf Tätigkeitsfelder zu spezialisieren. Die Unternehmer im Schornsteinfegerhandwerk werden von ihrem Bezirk gegeißelt. Ganz zu schweigen davon, dass der hoheitliche Bereich mit der derzeitigen Gebühr nach Bundeskehr- und Überprüfungsordnung alleine nicht auskömmlich wäre. Auch die im Entwurf der novellierten Bundeskehr- und Überprüfungsordnung angesetzte Gebührenhöhe von 1,20 Euro pro Arbeitswert liegt weit unter dem, was realistisch benötigt wird, um das Schornsteinfegerhandwerk in die Zukunft zu bringen.

Um im Jahr 2050 noch ein Schornsteinfegerhandwerk zu haben, benötigen wir dringend Fachkräfte. Diese bekommen wir durch die direkte Ansprache von Schulabgängern und durch ein attraktives Image unseres Berufes. Höhere Löhne, flexible Arbeitszeiten und ein modernes Ansehen in der Öffentlichkeit bilden dabei den Grundstock.

Die Betriebe benötigen mehr Freiraum in ihrem Handeln. Es dürfen den jetzt bestehenden Bezirken keine zusätzlichen hoheitlichen Tätigkeiten zugeordnet werden. Vielmehr sollten die Bundesländer eine Einteilung der Bezirke vornehmen, damit die Arbeitsbelastung der bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger angeglichen wird.

Und wir müssen zukünftig daran arbeiten, dass aus Schornsteinfegern Unternehmer werden, die den notwendigen Geschäftssinn erlangen, um neue Tätigkeitsfelder für unser Handwerk zu generieren.

Die Mitglieder des ZDS sind die Zukunft des Schornsteinfegerhandwerks. Deshalb arbeiten wir daran, unsere Zukunft zu gestalten!

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