Gefährdungsbeurteilung im Handwerk
© Stockfoto
Gesetzliche Vorschriften verpflichten Unternehmerinnen und Unternehmer dazu, Gefährdungen am Arbeitsplatz systematisch zu erfassen, zu bewerten und die Ergebnisse nachvollziehbar zu dokumentieren.
Obwohl die Gefährdungsbeurteilung seit rund drei Jahrzehnten ein zentraler Bestandteil des Arbeitsschutzes ist, zeigt die Praxis ein anderes Bild: Gerade in kleinen und sehr kleinen Betrieben wird sie häufig nur unzureichend oder unregelmäßig durchgeführt. Nicht selten wird sie von den Verantwortlichen eher als bürokratische Pflicht denn als sinnvolles Instrument zur Verbesserung der Arbeitssicherheit wahrgenommen.
Eine aktuelle Untersuchung eines Vorstandmitgliedes der BG BAU liefert nun Einblicke in die Umsetzung dieser Vorgaben im Schornsteinfegerhandwerk und zeigt, wie es dort um den Stand der Gefährdungsbeurteilungen bestellt ist.
Grundlage der Untersuchung war eine Befragung von Unternehmerinnen und Unternehmern in Klein- und Kleinstbetrieben dieser Branche.
Im Fokus standen insbesondere die praktische Handhabung der Gefährdungsbeurteilung sowie mögliche Schlussfolgerungen für zukünftige Maßnahmen.
Die Ergebnisse zeigen, dass nur wenige Betriebe individuelle Gefährdungsbeurteilungen durchführen. 17,47 Prozent der Betriebe verzichten vollständig darauf. Lediglich 7,64 Prozent geben an, für alle Liegenschaften eine individualisierte Gefährdungsbeurteilung bereitzustellen.
Knapp ein Viertel (24,63 Prozent) arbeitet mit objektbezogenen Beurteilungen.
Als Hauptgründe für das Ausbleiben von Gefährdungsbeurteilungen nennen die Betriebe vor allem den hohen Zeitaufwand (67 Prozent).
Fast die Hälfte der Befragten ist zudem der Ansicht, dass der Aufwand den Nutzen deutlich übersteigt (45,02 Prozent) und die Erstellung inhaltlich zu kompliziert ist (46,39 Prozent).
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die Akzeptanz der Gefährdungsbeurteilung mit zunehmender Digitalisierung steigt.
Nutzen Betriebe integrierte Schnittstellen zwischen Gefährdungsbeurteilung und Verwaltungssoftware, werden diese auch häufiger erstellt.
Dennoch äußern selbst Betriebe, die flächendeckend individualisierte Gefährdungsbeurteilungen durchführen, den Wunsch nach einer Rückkehr zu stärker regelbasierten Vorgaben anstelle individueller Bewertungen.
In der Untersuchung wird deutlich, dass eine flächendeckende Umsetzung von Gefährdungsbeurteilungen ohne digitale Unterstützung sowie ohne klare und verständliche Vorgaben nur eingeschränkt möglich ist.
Digitale Schnittstellen können jedoch dazu beitragen, die Hürden bei der Erstellung zahlreicher Gefährdungsbeurteilungen deutlich zu senken.
