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Leitartikel

1. Mai - ungebrochen solidarisch

Hannes Martens
Hannes Martens /

Liebe Kolleginnen und Kollegen, was habt ihr in diesem Jahr am 1. Mai so gemacht? Viele werden sich jetzt denken: „Das war doch ein Montag und ich hatte durch den Feiertag frei und hab mich mit Freunden bei herrlichem Sonnenschein getroffen.“ Einige unserer Kolleginnen und Kollegen werden antworten: „Am Tag der Arbeit war ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen auf einer Demonstration für bessere Arbeitsbedingungen und die Zukunft unserer Gesellschaft – ist doch selbstverständlich!“

So selbstverständlich, wie es für die einen erscheint, ist es leider nicht für alle, dabei hat der 1. Mai als Feiertag eine hohe Bedeutung für Gewerkschaften.

Erstmals wurde der 1. Mai als Feiertag im Jahr 1919 von der Weimarer Nationalversammlung als einmaliger Feiertag im „Gedenken des Weltfriedens, des Völkerbundes und des internationalen Arbeiterschutzes“ verabschiedet. Da die Idee eines dauerhaften nationalen Feiertages bei den bürgerlichen und konservativen Gruppierungen in der Versammlung auf wenig Begeisterung stieß, blieb es bei einem einmaligen Feiertag in Deutschland. Die Ursprünge des heute bekannten Feiertages „Tag der Arbeit“ gehen aber weiter zurück und beginnen in den USA.

Am 1. Mai 1886 streikten in den USA ca. 400.000 Menschen in mehreren Städten und forderten die Einführung eines „Achtstundentags“. Im Zuge des Streiks kam es in Chicago am 3. und 4. Mai zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Bei dieser Auseinandersetzung, die im Nachhinein als Haymarket Riot bezeichnet wurde, starben mehrere Demonstranten und Polizisten. Acht Streikorganisatoren wurden angeklagt und hingerichtet. Zum Gedenken an die Opfer des Haymarket Riot riefen Gewerkschaften und Arbeiterparteien im Jahr 1889 auf dem zweiten Internationalen Arbeiterkongress in Paris am 1. Mai zu einer internationalen Demonstration auf. Zentrale Forderung waren auch hier der Achtstundentag, höhere Löhne sowie bessere Arbeitsbedingungen. Schon ein Jahr später fanden am 1. Mai 1890 auch in Deutschland Streiks, Demonstrationen und die sogenannten Maispaziergänge statt, an denen sich rund 100.000 Menschen beteiligten. Aufgrund der hohen Bedeutung für die Arbeiterinnen und Arbeiter zu dieser Zeit beschloss die SPD im Oktober 1890, den 1. Mai zum Tag der Arbeiterbewegung zu machen. Fortan kam es am 1. Mai alljährlich zu Demonstrationen und Streiks, an denen sich Tausende und Hunderttausende Menschen beteiligten. Durch Aussperrungen und Entlassungen aufgrund dieser Bewegungen entwickelte sich der 1. Mai im Laufe der Zeit zum Symboltag des Klassenkampfs.

Bis heute hat sich in Europa der 1. Mai als Feiertag und vor allem als Tag der Arbeit und der Arbeiterbewegungen gehalten. Und so gehen Jahr für Jahr Menschen auf die Straße, nehmen an friedlichen Demonstrationen teil und setzen sich für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen ein. Neben diesen „klassischen“ Zielen der Arbeiterbewegungen kamen mit der Zeit auch immer mehr gesellschaftspolitische Themen auf die Agenda der Demonstrationen.

In diesem Jahr war das Motto der Demonstrationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) „Ungebrochen solidarisch“. Die Welt ist im Krisendauermodus: Energiekrise, Klimakrise, der anhaltende Krieg in der Ukraine, die hohe Inflation und die Auswirkungen der Coronapandemie erzeugen Unsicherheit und stürzen viele Menschen in existenzielle Sorgen. Wir als ZDS und auch die anderen Gewerkschaften haben erkannt, dass es gerade jetzt wichtig ist, ein sichtbares Zeichen für eine gerechte und friedliche Zukunft, für einen starken Sozialstaat und für eine leistungsfähige öffentliche Daseinsvorsorge zu setzen.

Für mich gehört genau das eben zum 1. Mai dazu: Geschlossenheit und Solidarität zeigen und gemeinsam für eine bessere Welt einstehen.

Wir nehmen vieles in unserem heutigen Alltag als gegeben und selbstverständlich hin, doch alles hat einen Ursprung und es gibt trotz aller Annehmlichkeiten immer noch vieles, was sich in unserer Gesellschaft und bei den Arbeitsbedingungen ändern muss. Es ist wichtig, die von Gewerkschaften in der Vergangenheit erstrittenen und erkämpften Errungenschaften nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und sich für die heutigen Themen einzusetzen und zu solidarisieren. Geht raus und nehmt an den Erster-Mai-Demonstrationen und Kundgebungen in eurer Nähe teil und lasst uns zusammen als positiver „schwarzer Block“ zeigen, dass die Mitglieder des ZDS gemeinsam mit anderen Gewerkschaftlern und Gewerkschaftlerinnen zusammenstehen, um die Welt ein Stück weit besser zu machen.

Positiv konnte in diesem Jahr erkannt werden, dass deutlich mehr unserer Mitglieder an den Demonstrationen zum 1. Mai teilgenommen und ein Zeichen gesetzt haben. Diese Entwicklung gilt es fortzusetzen und auch in den nächsten Jahren gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen am 1. Mai auf die Straße zu gehen. Deshalb wird es auch im nächsten Jahr wieder heißen: „Raus zum 1. Mai!“

Euer Regionalsekretär

Hannes Martens

Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk

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