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Leitartikel

Ausbildung

Kai Schreck
Kai Schreck /

Liebe Kolleginnen und Kollegen, seit 2019 – also seit ca. sechs Jahren – bin ich im ZDS als Funktionsträger tätig und beschäftige mich immer wieder mit dem Thema Ausbildung. Dabei habe ich in meinem Alltag als Funktionsträger sowohl in der Abteilung Technik/Bildung als auch in meiner jetzigen Funktion als Regionalsekretär die verschiedensten Situationen erlebt. Meine Erlebnisse haben mir dabei gezeigt, dass es darauf ankommt, in welchem Umfeld die Ausbildung absolviert wird.

Im Gespräch mit Auszubildenden stelle ich immer wieder fest, dass die meisten Ausbildungsbetriebe vorbildlich ihren Pflichten nachkommen. Sei es die Gewährung der den Auszubildenden zustehenden Urlaubstage, die Zahlung der angemessenen Vergütung, die Einhaltung des Lehrplans oder all die anderen Leistungen, welche aus dem Berufsausbildungsvertrag hervorgehen, um unsere Auszubildenden zu einem ordentlichen Berufsabschluss zu führen.

Leider muss ich aber auch feststellen, dass wir nicht nur Vorzeigebetriebe in unserem Handwerk haben, sondern sich immer wieder Auszubildende an uns als ZDS wenden, um Hilfe bei Problemen mit dem Ausbilder bzw. mit dem Ausbildungsbetrieb zu erhalten.

Mich erreichen wöchentlich Telefonate und Mitteilungen, dass sich nicht an die Rahmenbedingungen der Ausbildung gehalten wird, Pflichten nicht ernst genommen werden und die Auszubildenden regelrecht ausgebeutet werden. Zu wenig oder im schlimmsten Fall sogar gar keine Vergütungsauszahlung, falsche Lohnabrechnungen, Nichtgewährung von Urlaub oder die Ausnutzung als billige Arbeitskraft anstatt einer betrieblichen Ausbildung sind die Probleme, mit denen sich Auszubildenden an mich wenden.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, in denen jeder Auszubildende so wichtig wie nie für unser Handwerk ist, fragt man sich, warum es immer wieder Arbeitgeber gibt, die sich nicht an die Regeln halten. Unsere Zukunft im Handwerk ist abhängig von gut ausgebildeten Fachkräften, die mit Überzeugung und Sachverstand ihre Arbeit angehen und ausführen, und die Einhaltung der Rechte und Pflichten zwischen Ausbilder und Auszubildenden ist die Grundlage für eine nachhaltige Freude am Beruf.

Es gibt heutzutage wenige junge Menschen, die von sich aus das Handwerk des Schornsteinfegers erlernen wollen. Oft werden die Ausbildungssuchenden über Berufsmessen, Ausbildungskampagnen der Verbände oder über die Familie oder Freunde auf diesen Beruf gebracht. Dies ist für alle Beteiligten mit größeren und kleineren Mühen verbunden und ich frage mich, warum trotzdem manche Ausbildungsbetriebe durch ihren Umgang den Auszubildenden jegliche Motivation für unser Handwerk rauben. Diese Ausbilder haben selbst entschieden, einen Menschen auszubilden und diesen in eine Fachkraft für die Zukunft unseres Handwerks zu verwandeln, und ich kann nicht nachvollziehen, warum dann junge Menschen als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden.

Wir können das Handwerk nur vorantreiben, wenn wir die uns zur Verfügung stehenden Grundlagen wie die Ausbildungsordnung adäquat umsetzen und nutzen. Aber auch ein gewisses Maß an Verständnis für die Jugend, für Pädagogik, für die Führung eines heranwachsenden jungen Menschen, welcher in einer mitunter turbulenten und prägenden Zeit für sein Leben steckt, und für die Einführung in das Berufsleben setzen das Fundament für die Freude am Schornsteinfegerhandwerk. Dies muss jedem Meisterbetrieb bewusst sein, bevor er den Beschluss fasst, ein Ausbildungsbetrieb zu werden.

Wir als ZDS werden uns wie bisher auch für Auszubildende einsetzen und diese schon während ihrer Ausbildung betreuen und ihnen mit Lern- und Infomaterial zur Seite stehen, damit jederzeit die Möglichkeit besteht, sich an uns zu wenden, um in unklaren Fällen Beratung und Beistand zu erhalten. Die Aufgabe unseres Handwerks fängt am ersten Tag der Ausbildung eines jeden Auszubildenden an und wir alle müssen unser Bestes geben, um ihnen den Weg in ihre Zukunft zu bereiten, damit unser Handwerk am Ende auch eine Zukunft hat.

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