Die Zukunft des Schornsteinfegerhandwerks
Liebe Kolleginnen und Kollegen,unserem Handwerk stehen große Herausforderungen bevor. Allem voran deshalb, weil wir es schaffen müssen, trotz voller Auftragsbücher für die notwendigen Kraftreserven für eine Weiterentwicklung unseres Handwerks zu sorgen.
Es ist ein Teufelskreis, in dem wir uns befinden. Umso wichtiger ist es, aus diesem Kreis auszubrechen und Neues zu versuchen – und all das, ohne dabei unsere Kerntätigkeit, die Sicherstellung der Betriebs- und Brandsicherheit von Feuerungsanlagen, zu vernachlässigen. Es ist eine Mammutaufgabe, die wir wahrlich nur gemeinsam lösen können.
Als ZDS verfolgen wir das Ziel, das Schornsteinfegerhandwerk zukunftsfähig zu gestalten. Weshalb wir dieses Ziel verfolgen, liegt klar auf der Hand: Wir wollen unsere Arbeitsplätze langfristig erhalten. Nicht nur für Angestellte, sondern für alle Berufsangehörigen ist es wichtig, eine Perspektive zu haben, zu wissen, wohin die Reise gehen wird und wie sich unser Handwerk entwickelt. Dabei sollten wir so konkret wie möglich beschreiben, wie unser Handwerk im Jahr 2045, wenn Deutschland nach den Plänen der Bundesregierung klimaneutral ist, aussehen wird. Es reicht nicht aus, einfach zu sagen, dass wir im Bereich Energieberatung oder Brandschutz mehr machen wollen. Wir brauchen konkrete Beschreibungen, was das für unser Handwerk bedeutet und vor allem wie diese Ziele umgesetzt werden sollen. Als ZDS sind wir sehr klar darin, zu formulieren, was wir wollen und wie wir uns unsere gemeinsame Zukunft vorstellen. Dies haben wir in einem ersten Diskussionspapier bereits im Jahr 2021 niedergeschrieben und veröffentlicht. In den kommenden Monaten wollen wir intensiv weiter daran arbeiten, unsere Vorschläge zur Veränderung des Schornsteinfegerhandwerks mit unserem Sozialpartner, später auch mit den Ministerien und der Politik, zu diskutieren. Als Arbeitnehmervertretung sind wir bereit, Veränderungen in Kauf zu nehmen, wenn diese unseren Fortbestand sichern. Wir sind zudem bereit, nicht nur das Notwendigste nach dem Minimalprinzip zu ändern, sondern auch einen Schritt weiter zu denken und auch weiterführende Veränderungen in unserer Struktur zu berücksichtigen. Wir glauben, dass wir umfangreiche Lösungen gleich für mehrere Probleme benötigen, die gerade auf uns zukommen. Da wären der Fachkräftemangel, die Energiewende, die Gründung immer innovativerer Schornsteinfegerbetriebe, die dauerhaft nicht mehr so richtig in das Korsett des Einzelunternehmers passen. Zudem steht grundsätzlich die Frage im Raum, ob wir mehr feuerpolizeiliche Aufgaben wahrnehmen wollen oder uns doch mehr als Handwerktreibende sehen und uns noch mehr dem freien Wettbewerb stellen sollten. Die Beantwortung all dieser Fragen und Probleme benötigt nicht nur den notwendigen Weitblick, sondern auch Mut und vor allem Vertrauen.
Als ZDS stehen wir zu unserem Handwerk und wir wollen eine positive Veränderung für unseren Beruf herbeiführen, ohne dabei das jetzige System auf den Kopf zu stellen oder unnötig zu gefährden. Doch wissen wir, dass Änderungen nach dem Minimalprinzip nicht die Lösung für all die Probleme und offenen Fragen sein werden. Wir brauchen schon ein Quäntchen mehr an Innovation und etwas mehr an Veränderungswillen, als es in den letzten Jahren der Fall war, um für die nächsten Jahrzehnte über die Runden zu kommen. Ich möchte an dieser Stelle an alle unsere Mitglieder appellieren, sich aktiv an den Diskussionsprozessen zu einem innovativen Schornsteinfegerhandwerk zu beteiligen. Ich möchte aber auch alle Betriebsinhaber dazu aufrufen, die notwendigen Kraftreserven aufzubringen, ihre Betriebe nicht nur nach den bisherigen Schemata zu führen, sondern auch Neues zu versuchen. Ich möchte an uns alle appellieren, uns voller Zuversicht auf die Veränderungen der kommenden Jahre einzulassen und diese aktiv zu begleiten. Das Schornsteinfegerhandwerk hat großes Potenzial in den unterschiedlichsten Bereichen. Nur müssen wir ab und an alte Gewohnheiten loslassen, damit wir uns auf etwas Neues einlassen können.
Euer
Daniel Fürst