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Leitartikel

Energiepolitik: Ein Muss!

Daniel Fürst
Daniel Fürst /

Liebe Kolleginnen und Kollegen,vor fast zehn Jahren haben sich 197 Staaten darauf geeinigt, den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren, um die globale Erderwärmung einzudämmen. Das sogenannte Pariser Klimaabkommen war ein Meilenstein zum Schutz des Klimas auf unserem Planeten.

Seit dem Tag der Unterzeichnung arbeiten Regierungen daran, CO2 einzusparen – so auch die Bundesrepublik Deutschland. Die Vereinbarungen des Pariser Klimaschutzabkommens sind inzwischen fest im europäischen und nationalen Recht verankert. Ein Zurück der Regelungen zur CO2-Einsparung ist deshalb kaum möglich.

Einige mögen Angst vor einer klimaneutralen Zukunft in unserem Land haben. Andere fürchten sich mehr vor Veränderungen, egal ob diese im Heizungskeller, an den Tankstellen oder im Landschaftsbild, beispielsweise durch den Bau von Windkrafträdern, sichtbar werden. Und es gibt auch einige Leute, die sich ungern von der Regierung vorschreiben lassen wollen, einen klimabewussteren Lebensstil zu führen. Egal, ob es sich um Menschen handelt, die keine Veränderung wollen, oder um Menschen, die sich nichts diktieren lassen wollen: Beide sind anfällig für populistische Parolen, die in der Praxis kaum umzusetzen sind.

 

Vor allem in Wahlkämpfen neigen manche Parteien dazu, den Menschen das zu erzählen, was sie hören wollen, statt das, was sie hören müssen. Für Politiker ist es einfach, sich beispielsweise gegen das ohnehin sehr unbeliebte „Heizungsgesetz“ – in Wirklichkeit heißt es Gebäudeenergiegesetz (GEG) – zu positionieren, es schlechtzureden oder gar abschaffen zu wollen. Es tatsächlich abzuschaffen sieht in der Praxis dann jedoch deutlich anders aus, als es in den Bierzelten noch von der Kanzel gebrüllt wurde. Wie sich nun zeigt, hat es die neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor allem auf Paragraf 72 des GEG abgesehen. Sein Titel: „Betriebsverbot für Heizkessel, Ölheizungen“. Doch die Änderung dieses Paragrafen, um das „Heizungsgesetz“ abzuschaffen, dient eher dem Prestige der Partei, als dass sie Nutzen bringen wird. Der Austausch von Heizungsanlagen, die älter als 30 Jahre sind, wurde schließlich bereits von der Vorgängerregierung im Jahr 2020 im Gebäudeenergiegesetz (GEG) verankert. Demnach durften von Eigentümern Heizkessel, die vor 1991 eingebaut wurden, „nicht mehr betrieben“ werden. Ähnliches stand auch schon in der Energieeinsparverordnung von 2007, die von der damaligen Großen Koalition erlassen wurde.

Und so gibt es vieles, was auf den ersten Blick vielversprechend klingt, sich im Nachhinein aber als haltlose Parole entpuppt. Leider fallen auch viele Fachkundige, also auch Schornsteinfeger, auf die Versprechen der Parteien herein. Natürlich hört es sich für viele von uns gut an, wenn wir uns keiner Veränderung unterziehen müssen, wenn wir unsere Komfortzone nicht verlassen müssen. Wenn wir weiterhin mit Öl und Gas heizen, zumindest bis der lang ersehnte Ruhestand kommt. Denn danach habe ich es geschafft, ohne mich mit Neuem beschäftigen zu müssen, denken manche aus unserem Berufsstand. Doch die Generation danach wird es umso schwerer haben, Fuß zu fassen. Man könnte fast von einem Generationenkonflikt in unserem Handwerk sprechen, wenn der Mut zur Veränderung am Lebensalter festgemacht werden könnte. Das tut es aber nicht. Denn auch junge Kollegen, oft in verantwortungsvollen Positionen unseres Handwerks, neigen dazu, einfachen Lösungen zu folgen, anstatt sich mit nachhaltigen Lösungsansätzen zu beschäftigen. Und alle, die immer noch meinen, die neue Regierung werde es schon richten, damit alles beim Alten bleibt, sollten genauer hinschauen, was Union und SPD vereinbart haben:

– Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für Wasserstoffinfrastruktur

– Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen

– Errichtungsgesetz für ein Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität

– Beschleunigung des Ausbaus von Geothermie, Wärmepumpen, Wärmespeichern und Wärmeleitungen

Unabhängig davon, was in Wahlkämpfen versprochen wird, gibt es das Pariser Klimaabkommen. Es wird stetig daran gearbeitet, CO2 einzusparen, bis hin zu einem klimaneutralen Gebäudebestand. Die Welt verändert sich, die Wärmeversorgung verändert sich – und wir Schornsteinfeger sollten uns dringend ebenfalls verändern. Auf jeden Fall mehr, als wir es seit dem Pariser Klimaabkommen getan haben.

 

Euer

Daniel Fürst

Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk

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