Energiewende = Wende des Handwerks?
Mit einem plötzlich auftauchenden Referentenentwurf zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes fing alles an. Von da an überschlugen sich die Nachrichten. Diverse Meldungen zum „Heizungshammer“ oder zur „aufgezwungenen Sanierung“ machten die Runde.
Auf den Referentenentwurf folgte ein offizieller Gesetzesentwurf, welcher bereits einige Änderungen mit sich brachte. Die Diskussionen ebbten jedoch nicht ab.
Schlussendlich hat der Bundestag am Freitag, dem 9. September, den vorliegenden Gesetzesentwurf verabschiedet und die Welt sieht gar nicht so finster aus, wie sie gemalt wurde.
Mit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes zum 1. Januar 2024 wird der Fokus der Gebäudesanierung auf die Senkung des CO2-Ausstoßes der Heizungsanlagen gesetzt. Erneuerbare Energien spielen eine zentrale Rolle im Rahmen der Energiewende. Somit werden in den nächsten Jahren zahlreiche Heizungsanlagen, welche ausgetauscht werden müssen, durch Anlagen ohne fossile Brennstoffe ersetzt werden. Das Schornsteinfegerhandwerk beschäftigt sich meistens – speziell im Rahmen der Überprüfung von Heizungsanlagen – mit genau diesen Auslaufmodellen. Was passiert also, wenn diese Modelle Stück für Stück vom Markt und aus den Gebäuden verschwinden?
Eines steht fest: Zur Weiterentwicklung und zu der damit verbundenen Gewinnung neuer Märkte und Aufgaben können und dürfen wir als Handwerk nicht auf den Gesetzgeber setzen und warten. Wir werden uns in den neuen Märkten platzieren und das Aufgabenspektrum des Handwerks so erweitern. Doch was bedeutet dies konkret?
Die Umstrukturierung des Wärmemarktes durch das Gebäudeenergiegesetz in Verbindung mit dem Gesetz zur Wärmeplanung wird einen massiven Neueinbau von Energieerzeugungsanlagen zur Folge haben. Diese müssen geplant, ausgelegt und energetisch beurteilt werden. Ebenso muss nach dem Neueinbau das dazugehörige Heizungssystem hydraulisch abgeglichen werden, Aufgabenbereiche, die das Schornsteinfegerhandwerk in vielen Teilen bereits beherrscht und umsetzt. Etwaiges fehlendes Fachwissen muss nun zeitnah erworben werden, denn ohne das Schornsteinfegerhandwerk werden diese Aufgaben durch andere Gewerke nicht zu stemmen sein.
Ein Neueinbau einer Energieerzeugungsanlage erfordert eine detaillierte Planung. Hierbei müssen unter anderem die Heizlasten des Gebäudes sowie etwaige Synergieeffekte anderer Energieerzeuger berücksichtigt werden. Besonders im Bereich der Wärmepumpen und der anderen Heizsysteme, welche mit geringen Systemtemperaturen effizient betrieben werden können, bedarf es neben der Auslegung und Planung der Anlage sowie deren Hydraulik einer Begutachtung des Gesamtgebäudes. Die Individualisierung der Gebäudebeheizung spielt in den kommenden Jahren eine übergeordnete Rolle. Aussagen gemäß dem bis vor einigen Jahren geltenden Vorurteil „Brennwertheizung – und gut ist“ gehören der Vergangenheit an. Speziell auf das Gebäude zugeschnittene Lösungen bilden die Zukunft des Wärmemarktes.
Doch nicht nur die Energieerzeugungsanlagen benötigen einen genaueren Blick. Das Schornsteinfegerhandwerk ist im Bereich der energetischen Begutachtung von Gebäuden seit Jahren sehr gut aufgestellt, sei es die Erstellung von Energieausweisen oder seit einigen Jahren die Erstellung von individuellen Sanierungsfahrplänen. In Hinblick auf die kommende EPBD-Richtlinie und die sich daraus ergebenden neuen Sanierungsvorgaben sind die Voraussetzungen des Handwerks hervorragend.
Kombiniert man die energetische Betrachtung und Sanierung der Gebäude mit der anstehenden schnelleren Sanierung des Heizungsbestandes, stellt man fest, dass die Betrachtung des Gesamtgebäudes und seiner Hydraulik die Zukunft darstellt. In dieser Zukunft sind wir durch die angebotene neutrale Beratung perfekt geeignet, den Bürgerinnen und Bürgern bei der Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen zur Seite zu stehen und die Wärme- und Energiewende aktiv mitgestalten zu können.
Trotz oder gerade wegen der Umstellung des Wärmemarktes schaut das Schornsteinfegerhandwerk sehr positiv in die Zukunft. Es warten neue, spannende Aufgaben und noch mehr Auftragsvolumen als bisher. Wir werden neben der Erweiterung unseres Fachwissens auch diverse neue Arbeitskräfte für unser schönes Handwerk benötigen.
Mit kollegialen Grüßen
Justus Schrader