Hände weg von der Stellvertreterregelung!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,über vieles müssen wir in unserem Handwerk diskutieren. Jedoch bleibt nur eines entscheidend! Wir befinden uns zweifelsohne in bewegten Zeiten.
Wenn ich nur an die vergangenen Monate denke, so hat unser Handwerk vieles durchlitten. Manches davon hätten wir uns wahrlich sparen können. So zum Beispiel die Diskussion um die sogenannte Stellvertreterregelung. Alle paar Jahre kommt diese Idee, angestellte Schornsteinfeger mit hoheitlichen Tätigkeiten zu beauftragen, auf die Agenda unseres Berufes. Das Irrsinnige bei der ganzen Diskussion darum ist, dass es praktisch nur eine Handvoll bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger gibt, die tatsächlich ein Problem damit haben, die ihnen anvertraute Feuerstättenschau selbst durchzuführen. Ein Großteil der bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger schafft die ordnungsgemäße Durchführung der hoheitlichen Tätigkeiten ohne Wenn und Aber. Es stellt sich daher die Frage, ob man wirklich unsere rechtliche Grundlage, das Schornsteinfeger-Handwerksgesetz, ändern muss, um ein paar wenige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger zu befriedigen. Die Konsequenzen, die mit einer Änderung zur Umsetzung der Stellvertreterregelung einhergehen, sind weitaus gefährlicher für unseren Beruf, als es Nutzen bringen würde. Daher: Hände weg von der Stellvertreterregelung! Das bringt nur Ärger mit sich, unser Handwerk bringt es jedoch keinen Schritt voran!
Wir mussten uns in diesem Jahr auch intensiv mit der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) auseinandersetzen. Kaum ein Gesetz wurde in der Öffentlichkeit so stark diskutiert wie das GEG. Für uns hatte dies spürbare Auswirkungen. In unzählig vielen Haushalten wurden wir auf das „Heizungsgesetz“ angesprochen. Der Beratungsbedarf verunsicherter Bürgerinnen und Bürger war noch nie so hoch wie in den Monaten der Novellierung dieses Gesetzes. Und bei allem Verständnis dafür, dass wir Schornsteinfeger bei Fragen rund um die Gebäudebeheizung für unsere Kunden da sein wollen,. Aber im Fall des GEG wussten viele von uns selbst nicht so recht, was sie von den Regelungen des GEG halten sollten. Ein Gesetz, welches vorsieht, bis zum Jahr 2045 nahezu alle Öl- und Gasheizungen aus den Heizungskellern zu verbannen, ist für unsere Branche erst einmal unsympathisch. Und trotz all dieser inneren Widerstände hat es unser Handwerk geschafft, sich der Thematik positiv anzunehmen und die Leute sachlich zu beraten. Wir haben uns darauf fokussiert, das zu vermitteln, was im Gesetzestext steht, statt uns von möglichen Zukunftsängsten leiten zu lassen. Ähnlich ist es auch bei dem Vorhaben der Bundesregierung, jedes Jahr 500.000 Wärmepumpen in deutschen Haushalten installieren zu wollen. Auch hierbei stellt sich für unser Handwerk nach wie vor die Frage: Was haben wir am Ende davon? Und werden wir unseren Platz in einem klimaneutralen Gebäudebestand finden? Doch auch bei dem Prozess des „Wärmepumpen-Hochlaufs“ werden die Verbände im Schornsteinfegerhandwerk von ihren Mitgliedern unterstützt, ohne dass das einzelne Mitglied im Detail weiß, wohin uns die Reise führen wird. Eines sei an dieser Stelle gesagt: Für unser Handwerk wird es am Ende gut ausgehen, davon bin ich überzeugt!
Wir haben ein Dauerthema auf unserer politischen Agenda, nämlich den Fachkräftemangel. Wie inzwischen fast jede Branche, so leidet auch das Schornsteinfegerhandwerk darunter. Man mag sich darüber streiten, ob der bessere Begriff „Fachkräftebedarf“ oder „Fachkräftemangel“ ist. Zielführend ist die Diskussion um die Begrifflichkeit nicht. Am Ende fehlen einfach Leute, die unseren Beruf lernen. Genau gesagt, fehlen jedes Jahr rund 150 Auszubildende, die eine Ausbildung zum Schornsteinfeger beginnen. Zusätzlich, und das ist genauso dramatisch, verlassen jedes Jahr rund 150 ausgebildete Schornsteinfeger unseren Beruf. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Was jedoch auffällt, ist, dass viele unseren Beruf wegen fehlender Perspektive für unseren Beruf verlassen. Niemand zeichnet derzeit ein Bild vom Schornsteinfegerbetrieb, wie er in 30 Jahren einmal aussehen wird. Niemand sagt, wie der Weg bis dahin aussehen wird, welche Hürden genommen und welche Gipfel gestürmt werden müssen, um im Schornsteinfegerbetrieb des Jahres 2050 zu landen. Alles, was uns Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern derzeit gesagt wird, ist, dass wir uns mit Energie, Lüftung und Brandschutz beschäftigen sollen. Diese drei Themen werden die Zukunft unseres Handwerks sein, heißt es. Vielleicht mag es in manchen Gremien oder Betrieben konkretere Pläne geben, was hinter den drei Begriffen steht. Um einen ganzen Beruf jedoch in die Zukunft zu führen, bedarf es eines gesamtheitlichen Plans, über den alle mitdiskutieren können. Es geht uns alle etwas an, wie sich unser Beruf in den kommenden Jahren verändern wird.
Bei allen derzeitigen Diskussionen um unser Handwerk – das Gebäudeenergiegesetz, die Stellvertreterregelung, den Fachkräftemangel, Änderungen im Berufsbild – bleibt meines Erachtens nur eines wichtig: Wie sieht unser Beruf in 30 Jahren aus und wie kommen wir dorthin? Wir werden uns als ZDS weiterhin dafür starkmachen, von unseren Arbeitgebern Antworten auf diese Fragen zu erhalten. Wir wollen wissen, wie sich unser Beruf in Zukunft ändern wird. Wir wollen und werden mitgestalten, wenn es um unsere Zukunft geht. Und wir werden im Zweifel auch Antworten liefern, sollten es die Arbeitgeber nicht tun.
Euer
Daniel Fürst