Mehr als nur Handwerk: Warum wir für Respekt und Augenhöhe kämpfen müssen
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Für mich sind es die letzten Tage als Regionalsekretärin und erneut wird mir schmerzlich bewusst, weshalb ich vom Handwerk eine Pause brauche.Wieder einmal erleben wir, dass der ZDS von unserem Sozialpartner gezielt ausgeschlossen wird. Das betrifft nicht mehr nur die regionale Ebene und unsere Azubi-Veranstaltungen, was unsere ehrenamtlichen FunktionsträgerInnen teilweise schmerzhaft zu spüren bekamen, sondern mittlerweile auch die Bundesebene. Wir werden aus gemeinsamen Arbeitskreisen gedrängt, die eigentlich dazu da sind, die Qualität der Ausbildung und die Umsetzung unseres Bundestarifvertrags sicherzustellen.
In den letzten Jahren nahmen wir die Wünsche unserer Mitglieder wahr, besonders, was die Schulungsthemen der tariflichen Weiterbildungen betrafen. Leider wurde dies häufig ignoriert, besonders an der Darstellung und Ausarbeitung habe ich häufig Kritik geäußert. Nachdem die Verbesserungsvorschläge des ZDS dieses Frühjahr ganz ignoriert wurden, wurden wir nun sogar aus mehreren Arbeitskreisen ganz aussortiert. Dies schadet dem gesamten Handwerk, und es entsteht der Eindruck, dass abweichende Meinungen nicht erwünscht sind. Meines Erachtens sollten alle Kraft und Energie in die Weiterentwicklung unserer Zukunft, in qualitative Weiterbildungen und Lösungen investiert werden; stattdessen wird dies stetig ausgebremst.
Dass wir es im Jahr 2026 noch immer nicht schaffen, eine respektvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu führen, beschämt mich zutiefst.
Ob es das plötzliche Schweigen bei versprochenen Themen wie der allgemeinverbindlichen betrieblichen Altersvorsorge ist oder der Gang vor Gericht, wo ein einfaches Telefonat zielführender gewesen wäre: Es kommt mir vor, als ob wir manchmal eine komplett unterschiedliche Sprache sprächen, jedoch keinen Dolmetscher zur Hilfe holen, sondern vielmehr verlangen, der andere würde einen mit einem Mal verstehen.
Eins sei jedoch gesagt: Der ZDS ist für seine Mitglieder da, wir sind eine demokratisch gewählte Gemeinschaft, und daran wird kein Ausschluss aus Arbeitskreisen etwas ändern. Für mich bedeutet es jedoch das Ende einer Reise. Ende März lege ich mein Amt als Regionalsekretärin nieder. Dieser Schritt fällt mir schwer, aber er ist für mich konsequent.
Die Arbeit für das Handwerk war eine bereichernde Erfahrung, die mich geprägt hat. Mein Appell an euch: Besinnt euch darauf, was wir im ZDS erreicht haben. Der Verband lebt von seinem Austausch, seiner Dynamik und vor allem von seinen ehrenamtlichen FunktionsträgerInnen. Dass so viele von euch tagtäglich an Arbeitshilfen, Schulungen, Lehrlingsbesuchen, Prüfungen und Berichten mitwirken und in der heißen Tarifphase zudem Tarifveranstaltungen und Plakataktionen erfolgreich auf die Beine stellen, ist das wahre Fundament unseres Erfolgs. All jenen Kolleginnen und Kollegen, die stetig Veranstaltungen planen, eure Ideen umsetzen und Sommerfeste veranstalten, kann ich daher nur meinen tiefsten Respekt ausdrücken, und ich danke all jenen, die mich die letzten Jahre begleitet haben.
Ich wünsche dem ZDS die Kraft, weiterhin laut und unbequem zu bleiben, wo es nötig ist, und den Zusammenhalt, den uns niemand nehmen kann. Solidarität scheint in der neuen Welt oft nur noch eine Floskel zu sein, aber ich habe erlebt, dass sie unsere Identität ist. Besonders in Erinnerung bleiben mir die Schornsteinfegerinnenshootings, die einmal im Jahr wunderschöne Fegerinnen in unterschiedlichen Städten ablichten – für unseren Kalender –, wobei auch ein Teil an die Glückstour gespendet wird! Ebenso die Zentral- und Regionalverbandstage, die unsere gesellige Ader widerspiegeln, und all die Veranstaltungen mit Auszubildenden, die wir als ZDS begleiten dürfen.
Der ZDS ist kein Selbstzweck, sondern das, was ihr daraus macht! Ich wünsche dem Verband den Mut und die Kraft, unbequem zu bleiben. Bleibt aktiv, bleibt kritisch und vor allem: Bleibt stolz auf euer Handwerk. Sprecht darüber, engagiert euch, vernetzt euch. Zeigt, dass ihr viele seid, und wenn es um Tarif geht - dass ihr laut seid!
Mit kollegialen Grüßen,
Juliane Schröder