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Leitartikel

Neues Jahr, neue Probleme

Hannes Martens
Hannes Martens /

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die ersten zwei Monate des Jahres kamen nicht nur mir, sondern auch vielen Menschen, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin, unglaublich turbulent und anstrengend vor. Dabei hat uns nicht nur die Wahl eines neuen Bundestags am 23. Februar, sondern auch die für unser Handwerk wichtige Novelle des Schornsteinfegerhandwerks sowie die immer noch anhaltenden Tarifverhandlungen für einen neuen Bundestarifvertrag im Schornsteinfegerhandwerk stark beschäftigt.

Die Bundestagswahl und die Novelle des Schornsteinfegerhandwerks sind abgeschlossen und hier bedarf es nun eines genauen Blicks, wie sich die Ergebnisse auf die Zukunft auswirken. Die Tarifverhandlungen dagegen dauern leider noch an, und ob und wann wir ein konkretes Ergebnis bekommen, ist aktuell noch offen.

Doch egal, ob abgeschlossen oder nicht, habe ich mir bei allen drei Themen irgendwann die gleiche Frage gestellt: Warum werden eigentlich so oft kleine Gruppen bevorteilt, anstatt Lösungen für die Mehrheit der Menschen zu suchen?

Die Bundestagswahl hat gezeigt, dass die konservativen und rechten Parteien den Wahlsieg miteinander teilen. Die Union und die AfD sind als stärkste bzw. zweitstärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen. Die Themen im Wahlkampf waren Migration, Sicherheit und Wirtschaft. Gerade beim letzten Thema muss man bei den oben genannten Wahlsiegern feststellen, dass von den Plänen aus den Wahlprogrammen vor allem die sogenannten Besserverdiener profitieren werden. Es zeigt sich also, dass eine kleine Gruppe von den Plänen deutlich mehr profitieren würde als die große Masse der Bevölkerung unseres Landes. Gerechtigkeit sieht für mich persönlich anders aus.

Auch bei den Änderungen des Schornsteinfeger-Handwerksgesetzes, welche vor allem von unserem Sozialpartner vorangetrieben wurden, müssen wir uns fragen, ob wir damit tatsächlich dem Großteil unseres Handwerks geholfen haben. Die neu geschaffene Regelung, dass angestellte Meister ihren bevollmächtigten Bezirksmeister bei der Feuerstättenschau vertreten dürfen, wird sicherlich einigen Betrieben in unserem Handwerk die Möglichkeit der Entlastung des bBS bieten. Die neu gewonnene Zeit kann dieser dann für den Transformationsprozess seines Betriebes nutzen. Eigentlich gut, nur dass dabei fast immer nicht berücksichtigt wird, dass aktuell nur wenige Betriebe einen angestellten Meister beschäftigen und somit der Großteil der Betriebsinhaber im Regen stehen gelassen wird. Hinzu kommt, dass die Regelung freiwillig ist und sicherlich nicht überall Anwendung findet, weil entweder der bBS oder der angestellte Meister sich weigert, die neue Regelung umzusetzen, sowie die Tatsache, dass wir mit der Rentenwelle die aktuell angestellten Meister als Bevollmächtigte benötigen und diese dann wieder in den Betrieben für die Entlastung fehlen. Echte und flächendeckende Lösungen für all unsere Schornsteinfegerbetriebe wollte oder konnte uns unser Sozialpartner oder auch das Bundeswirtschaftsministerium bisher nicht liefern. Auch hier muss ich sagen, dass Gerechtigkeit anders ausschaut.

Bei den laufenden Tarifverhandlungen, welche wegen der Blockadehaltung seitens unsers Sozialpartners ZIV nun schon bis in den späten März hineinlaufen, soll es laut der Tarifkommission der Arbeitgeber eine „Verschlankung“ der Tarifgruppen geben. Demnach soll die zukünftige Tarifgruppe eins die Gesellen abbilden. Die Tarifgruppe zwei soll alle Gesellen mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung abbilden und die Tarifgruppe drei soll dann die angestellten Meister abbilden. Für diese Gruppen soll es eine Erhöhung von 2 % pro Jahr geben, so der Vorschlag des ZIV. Für diejenigen, welche die Stellvertreterregelung in ihren Betrieben nutzen, sollen es noch mal 8 % mehr sein. Wie oben bereits erwähnt, kommt dieser Zuschlag bei nur wenigen unserer Mitglieder an. Auch hier schaut für mich Gerechtigkeit anders aus und die bisher vorgeschlagenen Zugeständnisse in Bezug auf eine Lohnerhöhung sind aus meiner Sicht frech zu nennen.

Vielleicht hat aber die Menschheit schon immer Entscheidungen bzw. Politik für kleine Gruppen anstatt für den Großteil gemacht. Wenn dies so ist, stelle ich mir aber die Frage, ob wir in unserer geistigen und ethischen Entwicklung nicht mittlerweile so weit herangereift sein sollten, dass wir es schaffen, bei Vorschlägen für Veränderungen möglichst vielen Menschen zu helfen und nicht nur einer kleinen Menge? Lösungen zu erarbeiten, die flächendeckend eine Veränderung möglich machen und nicht nur punktuell? Ich würde mir wünschen, dass wir alle mehr in diese Richtung denken, eine ehrliche und ernst gemeinte Zusammenarbeit fokussieren und dafür sorgen, dass es am Ende uns allen ein Stück weit besser geht und wir eine lebenswerte und anstrebenswerte Zukunft haben.

Hannes Martens

Regionalsekretär Nord

Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk

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