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Leitartikel

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen, die anderen Mauern.

Daniel Fürst
Daniel Fürst /

Beim Verfassen meiner Weihnachtskarten für Freunde, Kollegen und Geschäftspartner habe ich folgenden Satz in eine Karte geschrieben: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen, die anderen Mauern.“Dieses chinesische Sprichwort beschäftigt mich seitdem, denn es trifft in vielerlei Hinsicht auf unser Handwerk zu.Manche Kolleginnen und Kollegen sind der Meinung, wir würden uns verändern. Das ist jedoch ein Trugschluss. Nicht wir als Handwerk verändern uns, sondern alles um uns herum verändert sich. Die entscheidende Frage ist deshalb, ob wir uns der Veränderung anpassen können.

Egal, was im letzten Jahr, insbesondere während des Bundestagswahlkampfs, vonseiten der Politik versprochen wurde: Spätestens heute muss jedem klar sein, dass es kein „Zurück“ geben wird. Das sogenannte Heizungsgesetz wird nicht vollständig abgeschafft werden, vielleicht erhält es einen neuen Namen und es werden kleine Änderungen vorgenommen. Auch wird es keinen Ölheizungs-Boom mehr geben, wie es sich manche vielleicht wünschen. Und selbst die Rückkehr zur Atomenergie wäre absurd, denn wir wissen heute, fast drei Jahre nachdem das letzte Atomkraftwerk vom Netz ging, dass trotzdem Strom aus der Steckdose kommt. Vor allem die Ewiggestrigen in unserem Handwerk müssen sich selbstkritisch fragen, ob wir als Schornsteinfegerhandwerk wirklich „zurück“ wollen. Und wenn ja, wie weit zurück? Es klingt absurd, dass es in unserem Handwerk einige gibt, die sich der Veränderung verschließen. Das denke ich auch, und dennoch gibt es diese Kolleginnen und Kollegen. Leute, die weiterhin nur ihre gesetzlichen Pflichtaufgaben sehen und zudem den Bereich der Feuerstättenschau ausbauen wollen. Es gibt Kollegen, die immer betonen, dass man die klassischen Tätigkeiten nicht vergessen dürfe, sobald man von der Erschließung neuer Tätigkeitsfelder spreche. Und dann gibt es Kollegen, die bei der Benutzung des Wortes „Technologieoffenheit" in Wahrheit meinen, man müsse den weiteren Einbau von Öl- und Gasfeuerstätten forcieren. Ja, solche Kollegen gibt es, und zwar nicht nur, sondern vor allem auch in Führungspositionen in unserem Handwerk.

Der ZDS vertritt die Interessen der angestellten Schornsteinfeger. Seine Mitglieder sind oft noch sehr jung und haben ihr Berufsleben noch vor sich. Das ist unter anderem der Grund, weshalb wir eine Zukunft für unser Handwerk wollen, in der es auch ohne Öl- und Gasheizungen eine Perspektive gibt. Wir wollen unser Handwerk weiterentwickeln, statt in die Vergangenheit zu blicken. Das bedeutet auch, dass wir in manchen Bereichen ungewohnte Wege einschlagen und über Themen diskutieren, die erst einmal für Verwirrung sorgen oder bei manchen Ängste auslösen. Doch wir brauchen mutige Schritte mit Wirkungskraft, da sich unser Handwerk ansonsten nicht verändern kann. Bei aller Tradition unseres Berufs müssen wir gerade in der heutigen Zeit umso mutiger und selbstsicherer sein, um Neues entdecken zu können.

Am Ende haben wir unser Glück selbst in der Hand: Entweder wir blicken in eine Perspektive voller Chancen und bauen Windmühlen. Oder wir errichten Mauern und versuchen, uns vor allem Neuen zu wehren. Abschließend sei gesagt, dass es nicht ausreichen wird, nur über den Bau von Windmühlen zu sprechen. Das Windrad muss sich besser früher als zu spät auch drehen.

 

Euer Daniel Fürst

Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk

Für die Zukunft unseres Berufs

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