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Leitartikel

Wir sagen „Ja“

Matthias Westphal
Matthias Westphal /

Liebe Kolleginnen, liebe KollegenAm 07.04.2025 hat die Tarifkommission des Zentralverbandes deutscher Schornsteinfeger (ZDS) mit der Tarifkommission des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) einen neuen Bundestarifvertrag abgeschlossen.

In der vierten Verhandlungsrunde konnte man sich auf ein Ergebnis einigen. Kurz zusammengefasst:

Die bislang 6 Tarifgruppen werden auf 3 Tarifgruppen reduziert. Durch diese Reduzierung und die Zusammenlegung der ehemaligen Tarifgruppen kommt es für einzelne ehemalige Tarifgruppen zu hohen prozentualen Steigerungen und somit auch zu höheren Stundenlöhnen. In der ehemaligen Tarifgruppe 1 ist der höchste Sprung von über 23 % zu verzeichnen.

Dies ist ein sehr wichtiges Zeichen für unsere Berufseinsteiger. Das Schornsteinfegerhandwerk muss für junge Berufseinsteiger attraktiv gestaltet werden, um neue Kolleginnen und Kollegen für unser Handwerk zu begeistern.

Zudem dürfen auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen nicht vergessen werden. Auch dieser Punkt wurde bei der Neugestaltung der Tarifgruppen berücksichtigt. So können zukünftig alle Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger mit 10-jähriger Berufserfahrung in die höchste Tarifgruppe aufsteigen.

Für alle Mitarbeiter mit Meisterbrief besteht die Möglichkeit, sofern sie als Stellvertreter im Sinne des § 11b SchfHwG eingetragen sind, einen Zuschlag von 10 % für die Zeit der Eintragung zu bekommen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Steigerung der Jahressonderzahlung von 75 % auf 100 %. Ein volles 13. Gehalt war der Kompromiss für die tariflose Zeit von Anfang Januar 2025 bis Ende April 2025.

Nun kann man an der Stelle etwas enttäuscht sein, dass diese Zeit nicht rückwirkend angerechnet oder vergütet wird. Doch schaut man sich die Zahlen an, stellt man fest, dass durch die Steigerung der Jahressonderzahlung dieser Zeitraum deutlich ausgeglichen wird. Eine regelmäßige Zahlung ist immer sehr viel mehr wert als eine Einmalzahlung. Im Übrigen müsste die Einmalzahlung auch voll versteuert werden. Zudem müssten auch Sozialabgaben abgezogen werden. Dies führt dazu, dass von einer vermeintlich hohen Einmalzahlung nicht wirklich viel übrigbleibt.

Von daher war es dem ZDS sehr wichtig, dass die Jahressonderzahlung erhöht wird. Durch diese Erhöhung haben wir etwas Nachhaltiges geschaffen, was allen Mitgliedern in allen Tarifgruppen zu mehr Einkünften verhilft.

Im Bereich der Pensionskasse hat sich auch etwas getan. Der ZDS konnte erfolgreich verhindern, dass die Mitglieder ihre Ansprüche dem Arbeitgeber mitteilen müssen. Dies hätte dazu geführt, dass die Mitglieder ihre Gewerkschaftsmitgliedschaft offenlegen hätten müssen. So ein Eingriff in die Grundrechte der Arbeitnehmer kann und darf nicht toleriert werden.

Es wird nun eine Arbeitsgruppe gegründet, die sowohl aus Vertretern des ZDS als auch aus Vertretern des ZIV und der Pensionskasse (PKS) besteht. Das Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, herauszufinden, wie die Pensionskasse weiterhin langfristig erfolgreich arbeiten kann.

Im Kern sind das die wichtigsten Änderungen.

Wir werden auf allen Kanälen und auch hier in der Zeitschrift immer wieder genauere Details zum neuen Tarifvertrag erklären.

Ich möchte in diesem Artikel auch noch etwas zur Tarifrunde und zum Umgang miteinander sagen.

Zuerst ein großes Dankeschön an alle, die sich in irgendeiner Form an der Tarifrunde und dem Motto: „TUT GUT“ beteiligt haben. Ob an Mahnwachen, Plakataktionen, Fotoaktionen oder anderen Tarifaktionen.

Vielen Dank!

 

Es ist wichtig, dass wir vor den Verhandlungen mit unseren Mitgliedern über die Bedürfnisse und Optimierungsmöglichkeiten des Tarifvertrages sprechen. Nur so können wir einen nachhaltigen Tarifvertrag für alle Mitglieder verhandeln.

Im März 2024 ist eine Umfrage zum Tarifvertrag gestartet. Dort wurden viele Punkte abgefragt, die uns als Tarifkommission bekannt waren. Zudem konnten alle Mitglieder eigene Punkte und Ideen einbringen.

Anhand dieser Ergebnisse wurde ein Tarifpaket geschnürt, was unter dem Namen: „Angebotspaket“ im September von den Vorsitzenden aller Untergliederungen vorgestellt, ergänzt und beschlossen wurde.

Mit diesem Angebotspaket sind die Verhandlungen gestartet und geendet. Wir haben in jeder Verhandlung an dem beschlossenen Paket festgehalten. Viele Punkte aus diesem Paket sind zu einem positiven Ergebnis umgewandelt worden. Am Ende der vierten Verhandlung haben wir mit der Einigung zur Steigerung der Jahressonderzahlung von 75 % auf 100 % den Durchbruch geschafft und ein gutes Verhandlungsergebnis erzielt.

Nachdem klar war, dass eine Einigung erzielt wurde, haben beide Verbände ihre Mitglieder informiert. Der ZDS hat per Rundmail alle Fakten beschrieben und auf Instagram und Facebook eine kurze Zusammenfassung der Fakten dargestellt.

Wie mittlerweile häufig festzustellen ist, ist es für viele Menschen sehr viel leichter, anonym und nicht direkt, sondern online, in der eigenen „Wohlfühlzone“ Kritik zu äußern.

Sofern es eine sachliche Kritik ist, sind viele Menschen bereit, diese anzunehmen und mit einer Erklärung richtig zu stellen oder zukünftig auf die Kritikpunkte zu achten und zu verbessern.

Sobald die Kritik allerdings persönlich oder auch sachlich falsch und uninformiert ist, wird es eher zur Pöbelei.

Dies führt dazu, dass viele neugierige Menschen sich von den Fehlinformationen fehlleiten lassen könnten und nicht mehr alle Informationen neutral bewerten können.

Zu der unsachlichen Kritik kommen auch immer häufiger falsche Fakten dazu, die die Kritik stützen sollen.

Es ist jedes Mal erstaunlich, wie teilweise kreativ und erfindungsreich die Argumente zu den angeblichen „Fakten“ dargestellt werden. Teilweise amüsant, teilweise aber auch respektlos und diskriminierend. Zudem in den meisten Fällen „ergebnislos“. Der eigene Frust entlädt sich in der Kommentarspalte und nimmt der sachlichen Kritik anderer den Raum. Dadurch entsteht ein großer Mix aus Fehlinformationen, Beleidigungen, Kritik und auch Lob. Alle Facetten werden bedient. Leider gehen über diesen Weg die wichtigen Punkte verloren oder werden von der Pöbelei übertönt.

Unser Verband ist so aufgestellt, dass wir zu jeder Zeit auf allen Kanälen unseren Mitgliedern zuhören. Jede Art von Kommunikation ist erwünscht. Wir wollen so transparent wie möglich sein und jede neue Information direkt mitteilen. Dazu gehört es, dass die Meinungen unserer Mitglieder abgefragt und wahrgenommen werden. Durch unsere Struktur, den Bundesverband, den Regionalverbänden, den Landes- und Bezirksgruppen und der Kreisgruppe bietet der Verband viele Möglichkeiten, die eigene Meinung mitzuteilen.

 Unsere ehrenamtlichen und hauptamtlichen Funktionsträgerinnen und Funktionsträger haben immer ein offenes Ohr.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die aktuelle Tarifrunde und die Novellierung des SchfHwG hat mir gezeigt, dass wir aktuell durch die Sozialen Medien in vielen Punkten mit negativer Stimmungsmache, mit Falschinformationen und mit Hetze kämpfen müssen. Unser Handwerk ist zu klein und zu wertvoll, als dass wir uns von ein paar „Internethelden“ fehlleiten lassen.

Wir wollen Mitsprache und wir haben Mitsprache im Verband und diesen Fakt lasse ich mir nicht kaputt kommentieren.

Wir sagen „Ja“ zum neuen Bundestarifvertrag. Es ist ein gutes Ergebnis und wir freuen uns auf die Zukunft im Schornsteinfegerhandwerk.

 

Glück Auf

Matthias Westphal

Referatsleiter Tarif

Regionalsekretär West

Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk

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Die Säulen des ZDS