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Leitartikel

Zusammenarbeit auf Augenhöhe – unser Anspruch im Dialog mit dem ZIV

Matthias Westphal
Matthias Westphal /

Als Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger (ZDS) tragen wir Verantwortung – für unser Handwerk, für unsere Mitglieder und für die Zukunft unserer Branche. In diesem Kontext kommt der Zusammenarbeit mit dem Zentralinnungsverband (ZIV) eine besondere Bedeutung zu. Beide Verbände prägen maßgeblich die Interessenvertretung des Schornsteinfegerhandwerks in Deutschland. Umso wichtiger ist die Frage: Gelingt uns diese Zusammenarbeit tatsächlich auf Augenhöhe?Was wir unter Zusammenarbeit auf Augenhöhe verstehen:

Zusammenarbeit auf Augenhöhe bedeutet für uns weit mehr als ein formaler Austausch. Sie ist geprägt von gegenseitigem Respekt, von Gleichberechtigung und der ernsthaften Bereitschaft, unterschiedliche Positionen nicht nur zu akzeptieren, sondern produktiv zu nutzen. Augenhöhe heißt nicht, dass wir immer einer Meinung sein müssen – im Gegenteil: Unterschiedliche Perspektiven sind notwendig, um tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Gleichzeitig bedeutet Augenhöhe, dass Argumente zählen und nicht Strukturen, Traditionen oder Machtansprüche. Es geht darum, sich als gleichwertige Partner zu begegnen, die gemeinsam Verantwortung tragen. Dieser Anspruch ist hoch – aber er ist notwendig.

Wir stellen fest: Gleichberechtigung in der Zusammenarbeit ist kein Zustand, der einmal erreicht und dann dauerhaft gesichert ist. Sie muss immer wieder aktiv hergestellt werden. Beide Verbände bringen unterschiedliche Strukturen, Rollen und Sichtweisen mit – und genau darin liegt sowohl die Herausforderung als auch die Chance.

Aus unserer Sicht gelingt Gleichberechtigung dann, wenn beide Seiten die gleichen Möglichkeiten haben, Themen zu setzen, Diskussionen zu führen und Entscheidungen mitzugestalten. Wo dies nicht der Fall ist, entsteht ein Ungleichgewicht, das langfristig das Vertrauen belastet.

Eine funktionierende Zusammenarbeit erfordert Mut – den Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und auszuhalten. Auch wir als ZDS müssen uns dieser Verantwortung stellen. Kritik, auch wenn sie unangenehm ist, darf nicht abgewehrt werden. Sie ist ein wichtiger Bestandteil jeder Weiterentwicklung.

Gleichzeitig erwarten wir diesen offenen Umgang auch von unserem Partner. Nur wenn beide Seiten bereit sind, ehrlich miteinander umzugehen, kann Vertrauen entstehen. Schönwetter-Dialoge bringen uns nicht weiter – entscheidend ist der konstruktive Umgang mit Differenzen.

Ein weiterer zentraler Baustein ist der konsequente Faktencheck. Entscheidungen, die unser Handwerk betreffen, dürfen nicht auf Vermutungen oder Einzelinteressen basieren. Wir sind überzeugt: Nur auf Grundlage belastbarer Daten und fundierter Analysen können wir verantwortungsvoll handeln.

Das bedeutet auch, dass wir bereit sein müssen, eigene Positionen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Wenn Fakten eine andere Richtung nahelegen, darf es kein Festhalten an überholten Ansichten geben. Diese Haltung erwarten wir ebenso im gemeinsamen Dialog mit dem ZIV.

Bei allen Unterschieden dürfen wir eines nicht aus dem Blick verlieren: Wir verfolgen gemeinsame Ziele. Die Zukunftssicherung des Schornsteinfegerhandwerks, die Stärkung unserer jeweiligen Mitglieder und die Positionierung in einem sich wandelnden Energiemarkt – all das sind Aufgaben, die wir nur gemeinsam bewältigen können.

Diese gemeinsamen Ziele müssen im Zentrum unserer Zusammenarbeit stehen. Sie sind der Maßstab, an dem wir unsere Entscheidungen messen sollten.

Ein entscheidender Punkt ist die Art und Weise, wie wir Lösungen entwickeln. Zusammenarbeit auf Augenhöhe bedeutet, dass Wege zu gemeinsamen Zielen gemeinsam erarbeitet werden. Es reicht nicht, fertige Konzepte zu präsentieren und Zustimmung zu erwarten.

Wir müssen bereit sein, Prozesse gemeinsam zu gestalten, Ideen weiterzuentwickeln und auch Kompromisse einzugehen. Das erfordert Zeit, Geduld und die Bereitschaft, eigene Vorstellungen zu hinterfragen. Doch genau darin liegt die Stärke einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit.

ZDS und ZIV unterscheiden sich – in ihrer Struktur, in ihrer Geschichte und in ihrer Rolle innerhalb des Handwerks. Diese Unterschiede sind kein Hindernis, sondern Teil unserer Realität. Zusammenarbeit auf Augenhöhe bedeutet für uns, diese „Verbände-DNA“ zu respektieren.

Wir müssen anerkennen, dass unterschiedliche Perspektiven aus unterschiedlichen Aufgaben erwachsen. Anstatt diese Unterschiede zu nivellieren, sollten wir sie bewusst nutzen. Vielfalt kann ein Motor für Innovation sein – wenn wir sie zulassen.

 

Als Verband vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder. Diese Verantwortung prägt unser Handeln – auch im Dialog mit dem ZIV. Entscheidungen müssen sich daran messen lassen, ob sie den Mitgliedern vor Ort dienen.

Das bedeutet für uns auch, die Meinungen unserer Mitglieder aktiv einzubeziehen und transparent zu kommunizieren. Zusammenarbeit auf Augenhöhe darf nicht dazu führen, dass Positionen verwässert oder Kompromisse geschlossen werden, die an der Basis nicht getragen werden.

 

Wir sind überzeugt: Die Zukunft unseres Handwerks wird nicht durch Positionskämpfe entschieden, sondern durch Lösungen. Deshalb müssen wir unseren Fokus konsequent auf Ergebnisse richten.

Das bedeutet auch, Kompromisse anzunehmen. Nicht jede Idee wird sich vollständig durchsetzen lassen – und das ist in Ordnung. Entscheidend ist, dass am Ende tragfähige Lösungen stehen, die von beiden Seiten mitgetragen werden. Ein entscheidender Punkt ist die Bereitschaft, andere Gedanken zuzulassen. Zu oft werden neue Ansätze vorschnell als falsch bewertet, nur weil sie nicht dem eigenen Denken entsprechen. Diese Haltung blockiert Fortschritt.

Offenheit ist eine Schlüsselkompetenz – gerade in einer Zeit, in der sich unser Handwerk stark verändert.

 

Können ZDS und ZIV auf Augenhöhe diskutieren? Unsere Antwort ist differenziert: Die Grundlage dafür ist vorhanden – aber sie muss besser gepflegt werden. Augenhöhe ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der aktuell ins Stocken geraten ist, und doch ist er unumgänglich.

Entscheidend ist, dass beide Seiten den Willen haben, diesen Weg weiterzugehen. Zusammenarbeit auf Augenhöhe erfordert Engagement, Selbstreflexion und die Bereitschaft, Verantwortung zu teilen.

Als ZDS bekennen wir uns klar zu diesem Anspruch. Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten – konstruktiv, offen und lösungsorientiert.

 

Kollegiale Grüße

Matthias Westphal

Regionalsekretär RV-West

Innovationszentrum Schornsteinfegerhandwerk

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